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28. November 2016

Fremdgehern auf der Spur

Seine Hauptkunden: eifersüchtige Männer und Frauen. Sein Beruf: Privatdetektiv. Erich Wunderli überführt seit 35 Jahren Seitenspringer. Sein Geschäft floriert heute mehr denn je – auch dank ­Flirt-Apps und Internet-Sexportalen.

Erich Wunderli, Privatdetektiv
Die Kamera immer im Anschlag: Erich Wunderli nimmt einen Verdächtigen in den Fokus.

Als professionelle Spürnase erlebt Erich Wunderli (58) viele kuriose Geschichten. Zum Beispiel diese: Eine von Eifersucht geplagte Ehefrau engagierte ihn, weil sie vermutete, ihr Gatte gehe fremd. Beim Belauschen eines Telefongesprächs hatte sie gehört, wie ihr Mann mit seinem Kumpel über eine Dame namens Annelies sprach. Dabei fielen Sätze wie «Die Brüste von Annelies müssen wir noch genauer anschauen» oder «Das Füdli ist aber wirklich schön».

Wunderli nahm Ermittlungen auf, um den Mann in flagranti mit Annelies zu erwischen. An einem Abend sollte es so weit sein. Der Ehemann fuhr in einen abgelegenen Hafen in Zürich. Wunderli war sich sicher: Jetzt trifft er seine Annelies, um mit ihr ein paar schöne Stunden auf einem der Boote zu verbringen. Tatsächlich blieb der Ehemann eine ganze Weile in einem Bootshaus. Doch eine Dame war nirgends zu sehen.

Als der Ehemann den Hafen wieder verliess, kundschaftete Wunderli das Bootshaus aus. Was er dort entdeckte, konnte der Detektiv selbst kaum glauben. Ein wunderschönes Holzboot stand da, das offenbar gerade restauriert wurde. Das Boot hatte bereits einen Namen, der wie bei allen Booten auf der Seite zu lesen war: Annelies.

«Er hatte das Boot mit seinem Kumpel restauriert, um es später seiner Frau zu schenken», erzählt Wunderli. Um das Projekt geheim zu halten, verwendete der Ehemann Codewörter. Mit «Brüste» meinte er den Bug des Schiffs, mit «Füdli» das Heck. «Als ich der Ehefrau den Irrtum berichtete, hatte sie ein wahnsinnig schlechtes Gewissen.» Denn Annelies hätte die Tochter des Ehepaars heissen sollen. Diese war ­jedoch vor Jahrzehnten – noch vor der Geburt – verstorben.

Erich Wunderli ist schon seit 35 Jahren als Privatdetektiv tätig. Nebst des Aufspürens von Wanzen, etwa bei Industriespionage, sind eifersüchtige Männer und Frauen seine Haupteinahmequelle. Der Zürcher hat in einem Industriequartier in Dübendorf eine eigene Detektei und bildet dort auch neue Privatdetektive aus.

Im Büro liegen allerlei Gadgets für den Einsatz bereit: Wanzenaufspürgeräte und diverse Kameras. Auch sogenannte GPS-­Tracker, die – einmal angebracht – den genauen Standort aufzeichnen, setzt der 58-Jährige ein. Damit verfolgt er immer häufiger auch Frauen und Männer, die von ihren Partnern verdächtigt werden, fremdzugehen. «Solche Aufträge haben extrem zugenommen. Mit dem Internet und all den Flirt-Apps ist es viel leichter geworden, zu betrügen», sagt Wunderli.

Drohne, Fernglas, Kamera und GPS-Tracker

Typische Arbeitsinstrumente eines Detektivs: Drohne, Fernglas, Kamera und GPS-Tracker

Seinen Partner von einem Detektiv überwachen zu lassen, ist nicht günstig. Zwischen 1000 und 3000 Franken kostet die Gewissheit, ob der oder die Angetraute treu ist oder nicht. «Wir halten die Kunden immer über die Kosten auf dem Laufenden. Sie können die Überwachung jederzeit abbrechen.»

Wer ihn engagieren will, muss aber zuerst definieren, was «Fremdgehen» für sie oder ihn überhaupt bedeutet. Für manche sei die Grenze schon überschritten, wenn der Verdächtige jemanden heimlich zu einem Gespräch trifft. Andere wiederum sehen Küssen nicht als Fremdgehen.

Verdacht der Frauen bestätigt sich meist

Danach heftet sich Wunderli mit einem weiteren Detektiv an die Fersen des vermeintlichen Betrügers und sammelt Beweise, um ihn zu überführen. «Das geschieht alles im Hintergrund. Wir nehmen nie Kontakt mit den überwachten Personen auf.»

Bei den vielen Aufträgen der vergangenen Jahre hat Wunderli festgestellt: «Der Verdacht der Frauen, dass ihr Mann fremdgeht, bestätigt sich meistens. Bei den Männern ist das Misstrauen oft unbegründet.» Männer wollen in vielen Fällen die Kontrolle über die Partnerin haben, auch wenn gar kein konkreter Verdacht bestehe.

Bekommt Wunderli bei solchen Aufträgen kein schlechtes Gewissen? «Ich versuche ja nicht, die Beziehung zu zerstören, sondern sie zu kitten», sagt Wunderli. Und er sei auch Beziehungsratgeber: «Ich gebe den Kunden in einem Abschlussgespräch Ratschläge, wie sie den Partner auf den Betrug ansprechen sollen – um herauszufinden, welche Motive dahinterstecken könnten und ob die Beziehung vielleicht noch zu retten ist.»

Wunderli ist übrigens Single. Vor 26 Jahren hat ihm seine Beinaheverlobte dermassen das Herz gebrochen, dass für ihn das Thema Heirat für immer erledigt ist. 

Autor: Andreas Bättig

Fotograf: Basil Stücheli