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12. August 2016

Frauen hinters Mikrofon!

Mit der Konzertstaffette «Züri Hornt» holt die Stadt Zürich ausschliesslich weibliche Acts auf die Bühne. Es ist ein wichtiger Schritt, Musikerinnen und Frauenbands mehr Präsenz zu verschaffen.

Musikerin Nadja Zela
Nadja Zela war Mitbegründerin der landesweit bekannten Frauenband Rosebud, Gründungsmitglied der Folkrock-Band Roundabouts und Bassistin der Zürcher Band Fingerpoke. (Bild: Niklaus Spoerri)

Der Festivalsommer nähert sich dem Ende und eine Frage bleibt: Wo waren die Musikerinnen und weiblichen Bands? «20 Minuten» rechnete nach: An den Openairs in Frauenfeld, St. Gallen, Zürich, Gampel, Interlaken und auf dem Gurten waren von insgesamt 310 Acts nur 39 weiblich. Das ergibt eine Quote von knapp 13 Prozent.

Auf Anfrage der Pendlerzeitung verteidigten sich die Veranstalter. «Grundsätzlich gibt es zu wenige Frauen in Bands. Aber ich buche sehr gerne weibliche Acts», sagte etwa Roman Pfammatter, Programmleiter des Open Air Gampel. Sabine Bianchi, Mediensprecherin des Openair St. Gallen, liess sich wie folgt zitieren: «Wir achten bei der Auswahl der Bands in erster Linie auf die Qualität und Aktualität der Musik sowie auf die zu unserer Strategie passenden Stilrichtungen. Danach folgen die Kriterien der Verfügbarkeit. Es wäre schön, wenn noch mehr Künstlerinnen verfügbar wären.»

Mehr Vorbilder für mehr Nachwuchs

Diese Vorwürfe lässt Niklaus Riegg, Ressortleiter Jazz, Rock und Pop bei der Stadt Zürich, nicht gelten: «Die Behauptung, dass es nicht genug weibliche Acts gibt, ist absurd – und zwar international wie auch landesweit.» Also hat der 35-Jährige «Züri Hornt», eine Konzertstaffette mit sechs weiblichen Zürcher Acts, mitorganisiert. Auf das Thema sensibilisiert habe ihn eine Kampagne in Österreich, bei der die männlichen Acts aus Festival-Line-ups retuschiert wurden – und nicht mehr viel übrig blieb. «Ich habe gemerkt, dass die Situation in der Schweiz ähnlich ist.»

Er sei jedoch überzeugt, dass man als Veranstalter mit weiblichen Acts ein qualitativ genauso gutes Programm zusammenstellen könne. «Egal ob in den Charts oder im Feuilleton: Viele der beliebtesten Acts sind Musikerinnen.» Zentral sei für den Vater einer zweijährigen Tochter auch die Frage der Vorbildrolle: «Ich bin überzeugt, dass es mehr Musikerinnen gäbe, wenn man mehr weibliche Acts auf der Bühne sehen würde. Wenn ein Mädchen an ein Festival geht und auf der Bühne keine Frauen sieht, denkt sie: dort oben habe ich offenbar nichts verloren.»

«Eine Frau auf der Bühne hat attraktiv zu sein»

«Züri Hornt» findet im Rahmen des Theaterspektakels statt. Während sechs Stunden können die Zuschauer sechs Konzerte à sechzig Minuten geniessen. Mit dabei sind das Duo Steiner & Madlaina, Fatima Dunn, Anna Känzig, das Duo Anaheim, Marena Whitcher’s Shady Midnight Orchestra und Nadja Zela.

«Vor allem in der Rockmusik sind Frauen deutlich unterrepräsentiert», sagt Nadja Zela (45). Sie war Mitbegründerin der landesweit bekannten Frauenband Rosebud, Gründungsmitglied der Folkrock-Band Roundabouts und Bassistin der Zürcher Band Fingerpoke. «Die Zahlen junger Frauen, die sich zutrauen, Rockmusik zu machen, sind in den letzten 10 Jahren laut der Koordinationsstelle Helvetiarockt sogar rückläufig. Das macht mir Sorgen.» Ein Grund dafür sieht auch sie in der einseitigen Darstellung von Musikerinnen: «Frauen haben in der Musikbranche häufig eine Interpretinnen-Rolle. Medien reduzieren sie zudem oft auf ihr Geschlecht und ihr Aussehen. Das ist in der Gesellschaft sehr tief verankert: Eine Frau auf der Bühne hat attraktiv zu sein - oder sie muss dreimal so talentiert sein wie ihre männlichen Kollegen.» Doch Frauen haben sehr viel zu sagen: «Sie haben vielleicht einfach grössere Mühe, dies auf einer Bühne zu tun.» Zela findet «Züri Hornt» einen wichtigen Beitrag für mehr weibliche Bühnenpräsenz: «Von mir aus dürfte es gerne noch mehr Frauenfestivals geben.»

Mehr Infos auf theaterspektakel.ch

Nadja Zela «Golden Years»

Autor: Anne-Sophie Keller