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11. Juli 2016

Frankenschock gut gemeistert

Unsere Wirtschaft hat den Frankenschock hervorragend gemeistert. Die perfide Auswirkung: Der Franken wird dadurch noch härter. Wird der Brexit zu einem erneuten Frankenschock führen?

Zahlen Schweizer Exportwirtschaft
Die Schweizer Exportwirtschaft erweist sich sich trotz Preisgabe der Franken-Untergrenze (von 1 Euro 20) als erstaunlich widerstandsfähig. (Grafik: EZV)

Kaum ist der Frankenschock vom letzten Jahr verdaut, geht es von Neuem los: Nach dem Brexit-Entscheid strömen abermals Milliarden an ausländischem Kapital in die Schweiz. Es gibt aber noch einen zweiten Grund, warum der Franken immer mehr an Wert gewinnt – und dieser ist hausgemacht.
Die Rede ist von der enormen Exportkraft der Schweizer Wirtschaft.

Trotz Frankenschock hat die Schweiz im Jahr 2015 den bisher höchsten Überschuss im Aussenhandel erzielt. Die Warenexporte übertrafen die -importe um eindrückliche 37 Milliarden Franken (vgl. obige Grafik).
Zum Vergleich: Vor zehn Jahren erreichte der Exportüberschuss gerade mal 8 Milliarden Franken. Obwohl die Exporteure beim damaligen Euro-Kurs von 1.55 Franken noch viel einfachere Bedingungen hatten.

Das demonstriert, wie konkurrenzfähig unsere Wirtschaft auf den globalen Märkten ist. Die Ausfuhren sind heute geografisch breiter abgestützt: So ist der Exportanteil der EU-Länder in den letzten zehn Jahren von 63 auf 43 Prozent gesunken. Dagegen konnte Asien von 17 auf 38 Prozent zulegen.

Dieser Erfolg hat allerdings eine Kehrseite: Die Überschüsse bedeuten nämlich, dass ständig noch mehr Devisen in unser Land fliessen, was den Aufwertungsdruck beim Franken zusätzlich verstärkt.
Je besser unsere Wirtschaft also gegen den harten Franken ankämpft, desto mehr wird sie in Form einer weiteren Aufwertung dafür bestraft. Das trifft diejenigen Branchen am stärksten, die dem Währungsdruck nur schlecht ausweichen können, namentlich die Maschinen-, Kunststoff- und Papierindustrie sowie den Tourismus. Als besonders robust erweist sich dagegen die Pharmabranche, die pro Jahr Güter für über 70 Milliarden Franken ins Ausland exportiert.

Dass die Industrie mit einer stetigen Frankenaufwertung umgehen kann, hat sie zur Genüge bewiesen. Prekär wird es aber, wenn aufgrund von Turbulenzen wie dem Brexit abrupte Kursausschläge hinzukommen.
Diese muss die Nationalbank mit Stützungskäufen abfedern. Denn für etliche Betriebe geht es dabei um nicht weniger als ihre Existenz. 

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Autor: Albert Steck