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22. April 2013

Fluchen macht halt vertammi Spass!

Sprache fasziniert Kinder. Besonders die Welt der Schimpfwörter hat es ihnen angetan. Ein Trost für entsetzte Eltern: Die Fluchphase geht vorüber.

Wenn Eltern über die Fluchwörter entsetzt sind
Meist ein Erfolg: Wenn Eltern über die Fluchwörter des Kindes erstaunt oder gar entsetzt sind. (Illustration Nicolas Bischof)

EIN FLUCH IN EHREN
Von Heilanddonner bis Schafseckel: Das sind die Lieblingsschimpfwörter der Migros-Magazin-Redaktion.
Und wie fluchen Sie am liebsten? Verraten Sie es uns! Zum Artikel

«Du doofe Kuh», beschimpft Levin die zarte Alina, als sie ihm die Schaukel aus der Hand reisst. «Du Gaggifudi», entgegnet Alina. Peinliche Stille. Kinder lernen täglich neue Wörter — ob auf dem Spielplatz oder in der Schule. Diese Wörter sind nur Ausdruck davon, dass die Kinder jetzt nicht mehr die Sprache der Eltern lernen, sondern die Gleichaltrigensprache. Allerdings lernen Kinder auch extrem schnell: Schimpfwörter bezeichnen etwas als negativ, werten ab und ziehen die Aufmerksamkeit auf sich. Elterntrainerin Kathrin Buholzer, Gründerin der Elternplattform www.elternplanet.ch: «Kleine Kinder lieben Schimpfwörter, bei denen Erwachsene grosse Augen bekommen oder erröten. Sie finden es lustig, und es geht vor allem darum zu gucken, wie wir darauf reagieren. Am besten reagiert man nicht, solange es nur ein Ausprobieren und Austesten ist.»

Werden Kinder aber älter und setzen die Schimpfwörter ganz bewusst ein, um andere zu beleidigen, muss man hinsehen und Grenzen setzen. «Und zwar sofort, bestimmt und konsequent», rät Kathrin Buholzer. Bei Schimpfwörtern Schulkollegen gegenüber handelt es sich oft um Eifersüchteleien, Ohnmacht oder Ungerechtigkeiten.
Auch Schimpftiraden den Eltern gegenüber haben Gründe: «Fragen Sie Ihr Kind, was denn passiert sei, dass es so wütend ist. Erklären Sie, warum Sie sich verletzt fühlen. Erklären Sie die Bedeutung des Wortes. Kinder müssen die Wirkung von Wörtern erst lernen. Halten Sie dem Kind den Spiegel vor: Wie ist es, wenn ich dich beleidige? Fühlen Sie sich als Eltern von der Bedeutung des Wortes verletzt, versuchen Sie, herauszufinden, warum das Kind zu diesem Mittel greift», so die Elterntrainerin.

Kinder müssen die Wirkung von Wörtern erst lernen. Halten Sie dem Kind den Spiegel vor.

Kinder lernen vor allem durch Nachahmung, besonders in den ersten sieben Lebensjahren. Von ihren Eltern erfahren Levin und Alina, wie wichtig Verhaltensweisen wie Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft oder Rücksichtnahme sind. Wenn Erwachsene laut fluchen, lässt das Kind die vulgären Ausdrücke ohne Umwege ins Langzeitgedächtnis wandern. Buholzer: «Man kann von einem Kind nicht verlangen, dass sie einen anständigen Umgangston pflegen, wenn man beim Auto fahren oder beim Fussballmatch selber laut flucht.

So reden Kinder nicht wie kleine Matrosen

Das Umfeld trägt bei Kindern viel zum exzessiven Gebrauch von Schimpfwörtern bei.
Einige Tipps:

Vorbild sein: Schimpfwörter in der eigenen Sprache vermeiden.

Gelassen bleiben: Sich vom Kind nicht provozieren lassen. Wenn es geht, die Schimpfwörter ignorieren, so entfällt für das Kind der Reiz am Fluchen.

Dem Kind Alternativen zeigen: Vermitteln, dass es mit Freundlichkeit viel mehr erreicht, und dem Kind klarmachen, dass Schimpfwörter verletzend sind. Wenn die Wut einfach mal raus muss, mit dem Kind auf witzige Alternativworte wie Gurkenhals, Quakballon, Gesichtsmatratze oder Klapperkopp suchen und mit ihm darüber lachen.

Grenzen aufzeigen: Dem Kind klarmachen, dass zu Hause ein anderer Umgangston herrscht und auch draussen nicht so geredet wird. Nehmen die schmutzigen Wörter überhand, können Eltern auch Konsequenzen ankünden und diese bei Nichtbefolgen umsetzen.

Schimpfwörter für immer verbannen: Schimpfwörter, die man nicht mehr hören will, auf einen Zettel schreiben, in einen Sack legen, zubinden, und im Feuer oder in der Bratpfanne verbrennen.

Autor: Pia Bühler