Archiv
27. April 2015

Wenn es am Open Air funkt

Vier Festivalpaare erzählen, wie es beim Teilen einer Pellerine, auf dem Zeltplatz oder unter Tausenden von Besuchern vor der Hauptbühne funkte. Erzählen Sie uns wie Corinne und David (Bild oben) Ihre Geschichte und gewinnen Sie als eines der ersten fünf Leserpaare zwei Festivalpässe. Und: Der persönliche Festival-Wegweiser und die Highlights 2015 (unten).

Corinne und David aus Amriswil
Corinne und David aus Amriswil lernten sich auf dem Gurten 2009 kennen, es dauerte aber vier Jahre, bis sie nach dem Open Air in St. Gallen ein Paar wurden. Corinnes Geschichte lesen Sie ganz unten ...

«Das erste Date danach war total chaotisch»

Manuela und Ralp: ein Open-Air-Paar
Manuela und Ralph lernten sich vor drei Jahren am SummerDays Festival in Arbon TG kennen.

Es geschah vor drei Jahren an einem verregneten Sommertag in Arbon TG: Ralph (35) und Manuela (32) entschieden unabhängig voneinander, ans SummerDays Festival an den Bodensee zu reisen. Manuelas Schwägerin kannte jemanden aus Ralphs Gruppe. «So kreuzten sich unsere Wege. Wir kamen ins Gespräch und haben uns auf Anhieb verstanden», erzählt die Product Managerin. Eine Woche später trafen sie sich wieder: «Es war total chaotisch. Ralph kannte mich nur ohne Brille und erinnerte sich vor allem an meine blonden Haare. Er selbst hatte sich mittlerweile die Haare geschnitten. Also suchten wir das Restaurant minutenlang nach dem anderen ab», erinnert sich Manuela. Als die beiden sich schliesslich in die Augen schauten, erkannten sie sich aber schnell wieder. Das Date dauerte bis in die frühen Morgenstunden. «Es passte einfach.» Ein Jahr später besprach das Paar bereits Grundsätzliches wie den Kinderwunsch. «In einem gewissen Alter wartet man nicht mehr so lange», so Ralph. 2014 hielt der Betriebswirtschafter in Thailand um Manuelas Hand an. Dieses Jahr wird man Manuela und Ralph übrigens nicht in Arbon antreffen: Sie werden im August Eltern.

Beim Teilen der Pellerine sich näher gekommen

Suleika und Pascal haben sich am Frauenfeld kennen gelernt
Suleika und Pascal sind seit dem Open Air Frauenfeld 2014 zusammen

Drei Tage Regen, knöcheltiefer Schlamm und Temperaturen im einstelligen Bereich: Beim Open Air Frauenfeld im Juli 2014 brauchte es einiges, damit einem warm ums Herz wurde. Bei Suleika (25) und Pascal (24) aus Chur reichte ein glücklicher Zufall. Suleika verirrte sich am ersten Tag in den VIP-Bereich. Auf dem Weg zurück zum Zeltplatz traf sie einen jungen Mann mit rosa Schleife im Haar. «Er meinte, die Schleife passe gut zu meiner Regenjacke. Wir verstanden uns auf Anhieb und kamen uns beim Teilen einer Pellerine vor der Bühne näher», sagt Suleika. Am nächsten Tag machte die Coiffeuse mit einer Freundin bei einer Festivalaktion mit und bekam zwei VIP-Bändel geschenkt. Dort traf sie Pascal wieder. Am Abend gingen die Turtelnden gemeinsam an ein Konzert seine Kumpels blieben diskret auf dem Zeltplatz zurück. Vor der Hauptbühne gab es den ersten Kuss. «Zu Hause habe ich ihr dann gleich auf Facebook geschrieben. Und schon am Montag nach dem Open Air gingen wir zusammen essen», erzählt der Elektroinstallateur. Seit dann sind die beiden ein Paar. Übrigens: Pascals Kollegen hatten ihm die rosa Schleife als Gag geschenkt. Er musste sie tragen, bis er ein Mädchen gefunden hatte. Nun ist sein Kopfschmuck weg.

Das Zehnjährige wird am Gampel gefeiert

Daniel, Annika und Sohn Gian
Seit 2014 zu dritt: Annika und Daniel Hert aus Utzensdorf BE

Daniel liess sich Zeit: Obwohl er Annika bereits am Donnerstag auf dem Gampel-Gelände erblickt hatte, sprach der Lichtdesigner die Brünette erst am Samstag an: «Das ist jetzt zehn Jahre her. Ich war wenig optimistisch, dass aus dem Open-Air-Flirt etwas wird», erzählt die heute 32-jährige Marketingfachfrau. Doch Daniel (37) gab nicht auf. Eine Woche später trafen sich die beiden zum Abendessen. 2008 zog Daniel bei Annika ein, ein Jahr später ging das Paar zusammen auf Reisen. Annika erinnert sich: «Ich habe Andeutungen gemacht, dass ich mich über einen Antrag freuen würde. Auf dem Machu Picchu gab ich die Hoffnung auf.» Und plötzlich war Daniel auf seinen Knien. Im Sommer 2010 läuteten die Hochzeitsglocken, und drei Jahre später wurde Annika mit Zwillingen schwanger: «Im Dezember 2013 erfuhren wir, dass Jasha nicht überleben würde; wenig später hörte sein Herz auf zu schlagen.» Am 12. März 2014 kamen die Buben zur Welt – Jasha tot, Gian viel zu klein. «Wir kämpften weiter und mussten gleichzeitig von Jasha Abschied nehmen. Das hat uns an unsere Grenzen gebracht», sagt Annika. Seit Ende Februar lebt die Familie in einem neuen Haus im bernischen Utzenstorf: «Zu dritt fürs Erste!»

Sie heiraten am Openair St. Gallen

Sie heiraten am Open Air St. Gallen
Chantal und Raphaël werden am Open Air St. Gallen heiraten.

Die Wege von Chantal (27) und Raphaël Küng (34) kreuzten sich 2012 an einem kleinen Open Air im Emmental. Die gelernte Köchin arbeitete an der Bar, der Akkordmaurer war dem Getränkeangebot «nicht gänzlich abgeneigt». Es war Liebe auf den ersten Blick. «Seit 2013 ‹drohte› er damit, mir an einem Open Air einen Antrag zu machen», sagt Chantal. Und dann kam das Open Air St. Gallen 2014: Das Paar arbeitete gemeinsam für das Festival. Chantal wollte sich nach einer durchzechten Nacht eigentlich etwas hinlegen – und erhielt stattdessen vor 50 Crewmitgliedern einen Antrag. «Da brummte mein Schädel erst recht!», sagt sie. Zum Standesamt gingen die beiden am 24. April. Und im Juni stürmen die Verliebten mit 50 Leuten im Schlepptau, genügend Bier, einem Pfarrer und «Open-Air-tauglicher Hochzeitskleidung» das Sittertobel. Stattfinden wird die Zeremonie auf dem Gelände. «Ganz ehrlich: Unser Umfeld hat nichts anderes erwartet.»

WELCHES OPEN AIR PASST?
Der Wegweiser zu Ihrem persönlichen Festival-Highlight (PDF, 0.5 MB)

NICHT VERPASSEN!
Die Perlen
des Festivalsommers 2015 (PDF, 100 KB)

DIE LESER-FESTIVALPAARE

Corinne Schmidlin aus Amriswil TG schreibt uns: Meine Kollegin Sandra (20) und ich (21), aus Wahlen BL, gehen 2009 zum ersten Mal im Leben an ein Openair, das Gurtenfestival. Das hiess drei Tage Schlamm und Regen für uns. Im Getümmel vor der Oasis-Konzertbühne treffen wir zwei Thurgauer Jungs an. David (22) aus Hauptwil TG und ich verstehen uns auf Anhieb und kommen uns noch am selben Abend näher. Sogar die Handynummern wurden ausgetauscht. Obwohl wir hin und her texteten kam es nicht zu einem weiteren Treffen. Nach drei Monaten bricht der Kontakt definitiv ab.
Vier Jahre später (noch immer solo) reise ich mit meiner Kollegin und ihrem Freund bereits am Vortag nach St. Gallen. Ziel der Besuch des Toten Hosen-Konzert in der AFG-Arena. Als die Dämmerung einsetzte, postete ich ein Foto von der Skyline von St. Gallen auf Facebook. Unerwartet und überrascht erhalte ich plötzlich eine Nachricht von David. Wir stellten fest, dass er ebenfalls an das Konzert gehen wird und wir beide von einem Treffen nach so langer Zeit nicht abgeneigt sind. Ich hatte zwar schon ein mulmiges Gefühl … wie sieht er nun nach 4 Jahren aus? Erkennen wir uns überhaupt noch nach so einer langen Zeit? Doch durch die grosse Menschenmenge und den schlechten Handyempfang im Stadium verpassten wir wiederum die Chance sich wieder zu sehen.
Eine Woche später kommt es tatsächlich zum ersten Date am und auf dem Bodensee. Weitere Dates folgten. Als David extra ein überteuertes Tickets für das ausverkaufte Openair St. Gallen 2013 für mich besorgte und ich früh morgens von Laufen BL nach St. Gallen fuhr, war für uns klar, dass nicht nochmals vier Jahre verstreichen sollten, sondern wir zukünftig gemeinsam durch das Leben gehen möchten. Egal ob Bern oder St. Gallen, ob 2009 und 2013, Regen und Schlamm waren auch dieses Mal mit dabei.
Nun wohne ich seit mehr als einem Jahr mit David zusammen in Amriswil TG und habe mein privates sowie berufliches Glück in der Ostschweiz gefunden.

Autor: Anne-Sophie Keller

Fotograf: Gaby Vogt