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09. Dezember 2013

Fernsehen der Zukunft

Das schärfste Bild aller Zeiten, sogar dreidimensional dargestellt. Eine völlig normale Entwicklung. Viel spannender ist, dass wir in Zukunft unabhängig von der TV-Zeitschrift fernsehen.

In Zukunft sehen wir fern wann immer wir wollen
In Zukunft sehen wir fern, wann immer wir wollen (Bild: iStock Photo).

Um 19.30 Uhr kommt die «Tagesschau». Das ist schon seit einer gefühlten Ewigkeit so und wird sich wahrscheinlich auch nicht mehr ändern. Aber wer die Nachrichtensendung künftig sehen will, muss sich nicht mehr nach dem TV-Programm richten, sondern kann den Zeitpunkt frei wählen. Das Zauberwort heisst «Replay TV»: Kunden von UPC Cablecom, Sunrise, Swisscom und Co. greifen gegen Bezahlung auf das vergangene Fernsehprogramm zu. Je nach Anbieter stehen bereits ausgestrahlte Sendungen der letzten 30 Stunden bis zu einer Woche zur Verfügung, ohne dass diese bewusst aufgezeichnet werden müssen. Wer keine Settopbox nutzt, sondern seinen Fernseher direkt an der Kabelnetzdose anschliesst oder eine Satellitenschüssel besitzt, kann dieselbe Dienstleistung von einem Onlinedienst wie Teleboy, Wilmaa oder Zattoo kaufen, und das Bild zum Beispiel vom Computer oder einem Tablet auf den Fernseher portieren. So oder so: Die «Tagesschau» kommt in Zukunft nicht mehr nur um 19.30 Uhr, sondern wenn Sie Zeit haben, sie zu sehen.

Diese Möglichkeit verändert unsere Art des Fernsehens massiv. Programmzeitschriften gehören ab sofort der Vergangenheit an. Jede Sendung wird von unserem Fernsehanbieter aufgezeichnet und lässt sich auf Knopfdruck zu einem beliebigen Zeitpunkt ansehen. Immer wichtiger wird ausserdem die Interaktion zwischen Moderator bzw. Sender und Zuschauer. Mit HbbTV, das beim Schweizer Fernsehen SRF+ heisst, können wir schon in naher Zukunft mit der Fernbedienung an Umfragen teilnehmen, Rezepte zu Kochsendungen abrufen oder uns mit anderen Zuschauern über das Programm austauschen.

Scharfe Bilder

Unabhängig vom Fernsehprogramm verbessern TV-Hersteller die Bildqualität stetig. Die meisten davon fahren mehrgleisig. Am weitesten verbreitet ist heute die Full-HD-Auflösung. Mittlerweile gibts zahlreiche Fernsehsender, die ihr Programm in dieser Qualität ausstrahlen. Vierfach bessere Bilder liefert das sogenannte 4K oder Ultra-HD. Geräte kosten derzeit über 3000 Franken – ein Kauf lohnt sich nicht, weil es weder Serien noch Filme in dieser Qualität gibt. Derzeit bietet Full-HD mit grossem Abstand das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Von der Herstellung der ersten Geräte dauerte es etwa fünf Jahre, bis erste Fernsehsender diese Qualität lieferten. Bei der nächsten Qualitätsstufe UHD könnte es ähnlich lange dauern.

Nicht vergleichbar mit Full-HD- oder 4K-Geräten sind OLED-Fernseher, weil diese eine andere Bildtechnik verwendet. Sie nutzt organische Leuchtdioden, was eine viel bessere Kontrastdarstellung ermöglicht. Bei OLED bleiben allerdings mehr Fragen offen, als beantwortet werden. Unbekannt ist zum Beispiel die Lebensdauer der verwendeten Materialien. Niemand weiss sicher, ob sie länger als zwei bis drei Jahre halten. Und das ist bei einem Gerätepreis von über 8000 Franken eine zu grosse Ungewissheit. Deshalb empfiehlt sich auch hier abzuwarten. Ein weiteres Fragezeichen darf beim 3D-Fernsehen gesetzt werden. Was im Kino zu grossen Erfolgen führte, hat sich bisher in Privathaushalten nicht durchgesetzt. Zu Hause auf dem Sofa will sich niemand für einen Fernsehabend eine Zusatzbrille aufsetzen. Erst wenn Geräte ohne Hilfsmittel dreidimensionale Bilder liefern, hat die Technik eine realistische Chance.

Autor: Reto Vogt