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22. August 2016

Ferienende

Meerechse am Strand einer Galapagos-Insel
Das wäre wirklich entspannend: Als Meerechse am Strand einer Galapagos-Insel. (Bild: Keystone)

Ich sage es Ihnen: Hätten diese Sommerferien nur eine Woche länger gedauert, ich wäre verreist. Und zwar ans Nordkap oder auf die Galapagosinseln. Ich bin dann mal weg – ohne grosses Gepäck und ganz sicher ohne die lieben Kinder. Eine kurze Umfrage im Freundeskreis hat ergeben, dass ich mit meinen Fluchtgedanken nicht alleine war. Grob überschlagen hätten wir in den letzten Tagen der Sommerferien alleine in unserem Dorf einen Airbus A 320 mit ausgelaugten Müttern füllen können. Ich sehe das deutlich vor mir, wie wir Frauen zombieähnlich zum Flugi wanken. Sobald wir in der Kabine sind, sinken wir auf die Polster und fallen in einen tiefen Schlaf (mit Schnarchen und so). Totale Erschöpfung halt.

Das Problem mit den Sommerferien ist, dass dann alle offiziellen Verpflichtungen der Mädchen und Buben ruhen. Schule und Kindergarten sind geschlossen, es gibt kein Turnen, keinen Schwimmkurs und keine Musikstunde. Sogar die Gemeindebibliotheken, letzte Zufluchtsorte für entnervte Mamis, verrammeln ihre Pforten. Wenn dann noch ausgerechnet die besten Freundinnen und Freunde wochenlang verreisen und das Quartier wie ausgestorben ist, bleibt den Kleinen ja fast nix anderes übrig, als an ihren Müttern zu hängen. Und das meine ich wortwörtlich. Meine Kleine verbrachte den Grossteil der Ferien auf meinem Schoss, meine Grosse immer in Greifnähe.
In den ersten schulfreien Tagen war ich noch topmotiviert, organisierte pädagogisch wertvolle Ausflüge und Bastelevents. Doch irgendwann, zwischen Badi und Zoo, in Woche drei oder vier, ging mir die Puste aus. Diesen Moment der Schwäche nutzten meine Töchter für sich und fragten von da an bereits morgens um 9 Uhr, ob ein halbes Stündchen Fernsehen möglich sei. Verdammt nochmal, ja, das war möglich. Weil die normale Arbeit weitergeht, werden wir ferienweich. Wir erlauben Dinge, die eigentlich laut Elternkodex streng verboten sind. Mehrere Glaces am Tag, Cola mit Koffein, Fernsehen zum Zmorge, Nachtruhe erst um 22 Uhr und so. Aber was bleibt uns sonst übrig? Ich sehe nur zwei Möglichkeiten: Das letzte bisschen Energie verpulvern, siehe #mamigoesgalapagos, oder einfach mal beide Augen zudrücken.

Glücklicherweise ist es für dieses Jahr geschafft. Für 2017 habe ich Vorsätze: Unsere Hauptfamilienferien müssen vom Frühling in den Sommer wandern, und wir verreisen nur, wenn alle anderen im Quartier auch wegfahren. (Ich werde bald mit der Agenda in der Hand an Eure Türen klopfen, liebe Freunde.) – Sonst muss ich dann im nächsten Sommer wirklich auf eine pazifische Insel flüchten.

Autor: Bettina Leinenbach