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24. August 2015

Feminismus in der Popkultur

Die aktuellsten Stücke rund ums Thema Feminismus aus Film, Fernsehen, Literatur und Web. Was prominente Frauen zum heutigen Feminismus sagen, lesen Sie im Artikel rechts «40 Jahre Frauenbewegung».

Film und TV

«Suffragette», der Film über das Leben der radikalen britischen Frauenrechtlerin Emmeline Pankhurst mit Meryl Streep in der Hauptrolle, beleuchtet ein wichtiges Kapitel britischer Geschichte. Pankhurst, die als Aktivistin in zahlreiche Hungerstreiks trat und mehrmals verhaftet wurde, starb im Alter von 69 Jahren. Drei Wochen später, am 2. Juli 1928, trat in Grossbritannien das allgemeine Wahlrecht für Frauen in Kraft. Maggie Gyllenhal und Helena Bonham Carter glänzen in den Nebenrollen. In der Romandie kommt der Film am 11. November 2015 und in der Deutschschweiz am 4. Februar 2016 in die Kinos.

Quelle: YouTube/KinoCheck

Die Emmy-prämierte Sendung «Orange Is The New Black» zeigt den Gefängnisalltag eines Frauenknasts in Connecticut. Eine der Hauptrollen spielt Laverne Cox, eine der berühmtesten Trans-Frauen der USA. Die Show, die in der Schweiz auf dem Streaming-Dienst Netflix ausgestrahlt wird, basiert auf den Memoiren von Piper Kerman. Die US-Amerikanerin verbrachte 13 Monate in einem Frauengefängnis und setzte sich nach ihrer Entlassung für die Rechte der derzeit 200'000 meist schwarzen Gefängnisinsassinnen der USA ein. Die Sendung erhielt viel Lob für die Repräsentation von Gruppen, die in Mainstream-Medien oft marginalisiert werden. So überzeugt die Serie mit komplexen Charakteren von schwarzen Frauen, Latinas, lesbischen und bisexuellen Frauen sowie mit der wohl ersten grossen Serienrolle für und über eine Trans-Frau.

Quelle: YouTube/Netflix

Musik

Ende der 80er-Jahre begründeten junge Frauen die Riot-Grrrl-Bewegung. Punkmusik, Fanmagazine und klare Ansagen waren die Merkmale der Feministinnen. Die russischen Skandalmusikerinnen der Band Pussy Riot sind die derzeit prominentesten Aushängeschilder.

Quelle: YouTube/Sean-David Kuckuk

Die amerikanische Sängerin Beyoncé Knowles sorgte im August mit ihrem Outing an den MTV Video Music Awards, einer der wichtigsten Auszeichnungen der Branche, für Furore: Gegen Ende ihres Auftritts posierte die damals 32-Jährige vor einem metergrossen «Feminist»-Schriftzug und machte die Gleichstellungsbewegung auch in der Popkultur salonfähig. Später setzte sich Knowles für die «Ban Bossy»-Kampagne ein. Mädchen, die sich durchsetzen, seien nicht «bossy» («herrschsüchtig»), sondern einfach stark.

Quelle: YouTube/QueenBey

Bühne

Amy Schumer ist der neue Star am US-Comedy-Himmel und gilt als feministische Jeanne d’Arc des derben Humors mit tiefer Note. In ihrer Stand-up-Show mimt die 32-jährige New Yorkerin das narzisstische Partydummchen, das für Karriere, Mann und Hollywood keine Demütigung ausschlägt, solange diese zum Erfolg führt. Ihr Show «Inside Amy Schumer» läuft auf dem amerikanischen Sender Comedy Central und ist hierzulande via Web-TV anzusehen. Mit «Trainwreck» hat sie nun auch den Sprung auf die Kinoleinwand geschafft.

Quelle: YouTube/KinoCheck

Der Frauenraum der Berner Reitschule ist ein Raum von Frauen für Frauen. Unter dem Credo «feministisch, selbstbestimmt, frauenfördernd» bietet die Bühne Platz für kulturelle und politische Veranstaltungen mit weiblichen Protagonistinnen.

Buch und Magazine

Die 28-jährige britische Journalistin, Bloggerin und Autorin Laurie Penny ist das bekannteste Aushängeschild des jungen Feminismus. Bekannt wurde sie mit ihrem Buch «Meat Market. Female Flesh Under Capitalism», das 2012 in deutscher Übersetzung unter dem Titel «Fleischmarkt» erschien. Darin analysierte Penny die Strategien, mit denen Frauenkörper im Spätkapitalismus entmachtet und kontrolliert werden und legt somit den alltäglichen Sexismus des Mainstreams offen.

Das Deutsche Missy Magazine ist eine Frauenzeitschrift, die Popkultur mit Politik verbindet. Gegründet wurde das Magazin im Frühling 2008 von Sonja Eismann, Stefanie Lohaus und Chris Köver, die gemeinsam als Herausgeberinnen sowie als Redaktion fungieren. Was Frau darin garantiert nicht findet: Cellulite-Cremes, Diättipps und «Zickenkrieg»-Storys.

Internet

Unter dem Twitter-Hashtag #Aufschrei berichteten Ende Januar 2013 zehntausende Frauen von sexistischen Alltagserfahrungen. Die Mit-Initiantin und Journalistin Anne Wizorek veröffentlichte im Oktober 2014 «Weil ein Aufschrei nicht reicht» - ihr Manifest für einen Feminismus von heute und tourte damit auch durch die Schweiz.

Die US-amerikanische News-Plattform Jezebel besticht durch einen feministischen Grundton in der Berichterstattung und dezidierte Meinungen zu gesellschaftlichen Themen. Der Blog publiziert unter dem Claim «Promis, Sex, Mode für Frauen. Ohne Airbrushing» und wird monatlich von über 13 Millionen BesucherInnen aufgerufen.

Autor: Anne-Sophie Keller