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26. März 2012

Familie geht vor

Eine neue Studie wirft das Dogma über den Haufen, dass Mütter unbedingt berufstätig sein möchten.

Kleine Kinder und Berufstätigkeit 
unter einen Hut 
zu bringen, ist für 
viele Mütter nicht so einfach. (Bild: Ute Grabowsky/photothek.net)

Krippenplätze und staatlich geförderte Betreuungsangebote für Kinder sind in der Schweiz ein heiss diskutiertes Politikum. Landauf, landab verlangen Frauenorganisationen und vor allem linke Politiker mehr solche Angebote. Sie wollen damit den Müttern die Möglichkeit geben, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen.Und das geht am besten mit einem Teilzeitjob. «Viele Mütter würden gerne mehr arbeiten, haben aber Schwierigkeiten, erschwingliche Krippenplätze und später Tagesschulen zu finden», sagt die Entwicklungspsychologin Pasqualina Perrig-Chiello (58) von der Universität Bern.

44 Prozent können nicht so arbeiten, wie sie möchten

Laut dem Familienbericht Schweiz 2008 können 44 Prozent der Mütter aufgrund fehlender und geeigneter Betreuungsinfrastrukturen ihr Arbeitspensum nicht nach den eigenen Vorstellungen einteilen und ausleben.

Doch nun bringt eine europäische Umfrage das Dogma der freudig arbeitenden Mutter arg ins Wanken: Jede vierte Mutter möchte sich lieber um die Familie kümmern, statt 100 Prozent zu arbeiten. Das zeigt eine Befragung des Mouvement Mondial des Mères (Weltbewegung der Mütter) von fast 12'000 Müttern in 16 europäischen Ländern.

Je jünger die Kinder sind, umso grösser ist der Wunsch, nicht arbeiten zu müssen: Im ersten Lebensjahr des Kindes sind es 78 Prozent der Mütter, die der Familie den Vorzug geben. 61 Prozent möchten sich in den ersten drei Lebensjahren ihrer Kinder ausschliesslich der Familie widmen. Erst ab dem vierten Lebensjahr des Kindes sinkt der Anteil auf 37 Prozent. Und: Nur gerade eine von zehn Müttern will tatsächlich Vollzeit arbeiten.

Offensichtlich ticken die Uhren der Schweizer Mütter ein wenig anders als jene der europäischen Mamas. Vollzeitmutter oder Teilzeitangestellte? Beides hat Vor-, aber auch Nachteile. Viel wichtiger ist jedoch, dass die Mutter in der gemeinsamen Zeit voll und ganz für ihr Kind da ist.

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Die Mütter-Umfrage: Wie viel möchten Sie im Idealfall neben der Kinderbetreuung arbeiten?

Autor: Thomas Vogel