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21. Oktober 2013

Fallobst

Wie aus Fallobst wieder richtige Äpfel wurden...
Wie aus Fallobst wieder richtige Äpfel wurden... (Bild: Fotolia).

Heute möchte ich Ihnen von meinen Brüsten erzählen. Keine Panik, nun kommt nicht die 27. Stillkolumne. Es ist alles ganz anders: Neulich lag ich rücklings auf dem Stubenboden und blätterte in einem Heftli. Während sich mein Busen wie ein zerlaufener Pudding auf meinem Brustkorb ausbreitete, zeigten die wattierten Schalen meines BHs gen Himmel. Da kam Eva, zwickte in den Stoffüberschuss und fragte: «Mami, wo sind deine Busen geblieben?» Gute Frage. Ja, wo waren diese blöden Dinger nur hin?

Tatsache ist, dass die beiden, seit ich sie habe, dauernd anders aussehen. Am Anfang ähnelten sie zwei Rosinen. Dann wurden sie während der Pubertät zu Äpfeln. Nicht übel, sage ich Ihnen. Damit hätte ich gut leben können. Während der ersten Schwangerschaft mutierten sie dann aber zu Wassermelonen, um anschliessend eine Birnenform anzunehmen. In der zweiten Schwangerschaft sahen sie eher wie längliche Kürbisse aus. Tja, was soll ich sagen? Ich fand das nicht so schlimm, denn meine Karriere bei Victoria’s Secret war ja vorbei.

Heute, am Ende der zweiten Stillzeit, fällt es mir aber sichtlich schwer, die Brüste (beziehungsweise das, was von ihnen übrig ist) einer Frucht zuzuordnen. «Fallobst» trifft es vermutlich am besten. Aber eine eher kleine Sorte, bitte schön.

Nach dem Stubenbodenerlebnis raffte ich mich jedenfalls dazu auf, neue BHs einkaufen zu gehen. Ein Fehler, aber das ahnen Sie sicher schon. Wenige Tage später stand ich oben ohne in einer Umkleidekabine. Ich persönlich glaube ja, dass der Mensch, der diese Kabäuschen erfunden hat, ein Frauenhasser war. Jetzt mal ehrlich: viel zu eng, viel zu hell, viel zu nah am Spiegel.

Während ich also das Fallobst begutachtete, flitzte vor dem Vorhang eine maximal 20-jährige Angestellte von Lingerieständer zu Lingerieständer. Sie war auf der Suche nach passenden Körben, äh, Büstenhaltern für mich. Alle paar Minuten reichte sie mir ihre Beute in die Kabine. Einer der BHs zauberte angeblich ein total erotisches Dekolleté (und verursachte Atemaussetzer), zu einem anderen gab es noch den passenden Strumpfhalter. (Strumpfhalter?) Am Ende zauberte sie noch einen Hauch von Nichts hervor. Ich fügte mich in mein Schicksal und probierte den Spitzensalat an. Mann, wie das zwickte und zwackte. Ich wollte die Verkäuferin gerade bitten, mich hinten am rechten Träger zu kratzen, da schwirrte sie davon und liess mich alleine mit dem Fallobst zurück. Ich hätte heulen können.

Gerade wollte ich wieder meinen viel zu grossen alten BH anziehen, als dann doch noch alles gut wurde. Frau Krasnitschkowitsch, ihres Zeichens ebenfalls Wäschespezialistin, nahm sich meiner Früchteauslage an. Sie nahm Mass («Acht von zehn Frauen tragen die falsche Grösse.») Kurze Zeit später reichte sie mir ein Modell in die Kabine. Nichts Aufregendes, sondern etwas total Bodenständiges. Am Schluss übernahm die Expertin das Feintuning der Träger. Als ich mich zum Spiegel drehte, sah ich: Äpfel!!!! Unglaublich.

Ich hätte Frau Krasnitschkowitsch am liebsten gefragt, ob sie am nächsten Samstag schon etwas vorhatte. Ich brauchte nämlich eine neue Jeans. Mit ihr an meiner Seite würde das sicher keine grosse Sache werden.

Autor: Bettina Leinenbach