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04. Februar 2013

Facebook macht unglücklich

Wer auf Facebook seine Erfolgserlebnisse verkündet, fühlt sich gut. Bei den Lesern hingegen wecken diese Meldungen Neid und Missgunst, sagt eine neue deutsche Studie.

Facebook
Über ein Drittel 
der Facebook­Nutzer fühlt sich schlecht, wenn 
sie lesen, wie gut es anderen geht. (Bild: Getty Images)

Tolle Ferien, neuer Job, frisch verliebt — wer gute Neuigkeiten hat, verbreitet diese gerne auch auf Facebook. Weniger toll finden das jene, die solche Erfolgsmeldungen lesen: Gemäss einer Studie der Humboldt-Universität Berlin und der Technischen Universität Darmstadt fühlt sich über ein Drittel der Facebook-Nutzer schlecht, wenn sie lesen, wie gut es anderen geht.

«Neid ist ein unangenehmes Gefühl, hat aber durchaus einen Sinn», sagt Verena Kast (70). Die renommierte Schweizer Psychologieprofessorin und Autorin des Buchs «Neid und Eifersucht — Die Herausforderung durch unangenehme Gefühle», rät: «Verspürt man Neid, muss man überlegen, was dieses Gefühl von einem will, und sich dringend die Frage stellen: Mache ich genug aus meinem Leben?» Denn wecken die Erfolge anderer bei einem Unzufriedenheit, deutet das darauf hin, dass mit der eigenen Situation etwas nicht stimmt. Das Bedürfnis, sich selber gut darzustellen, sei nämlich absolut menschlich, sagt Verena Kast. Und auch den in der Studie festgestellten Trend, auf Facebook vorwiegend die Sonnenseiten zu präsentieren, findet sie nicht schlecht: «Heute wird so viel gejammert, und so viele fühlen sich als Opfer — da ist es doch ganz gut, wenn auch einmal das Positive hervorgehoben wird.»

Allerdings erstaunt es sie nicht, dass das Motto «Geteilte Freude ist doppelte Freude» im Internet nicht funktioniert: «Das geht nur im persönlichen Austausch mit Freunden — und auch da längst nicht immer.» Neid befällt uns unvermittelt und ungewollt, das heisst aber noch lange nicht, dass man sich auch neidisch verhalten muss. Im Gegenteil: «Neidisches Verhalten zerstört Beziehungen», warnt die Psychologin. «Stattdessen sollte Neid ein Anlass sein, das eigene Leben anzupassen, zu überlegen, was einem wirklich wichtig ist.» Die wirkungsvollste Anti-Neid-Formel laute ganz simpel: Ich habe ja selber genug.

Autor: Claudia Weiss