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18. Februar 2013

Ewige Liebe dank Tabletten?

Mit einer Pille wollen Forscher die grosse Liebe zwischen Verheirateten oder Lebenspartnern unbeschränkt haltbar machen. Der Berner Psychologe René Hess ist skeptisch: Paarprobleme liessen sich nicht auf rein biologische Ursachen reduzieren. Die Liebe reanimieren: Wie reagieren Sie auf das Nachlassen des Verlangens und das Erkalten der Gefühle? Stimmen Sie (rechts) ab.

Die Liebe: auch eine Frage der Biologie?
Die Liebe: auch eine Frage der durch Tabletten beeinflussbaren Biologie?

Einmal verliebt, immer verliebt, und zwar in die gleiche Person: Wie schön wäre das doch, und wie viel einfacher wäre das Leben. Ganz in diesem Sinn schlagen drei Philosophen von der Universität Oxford (GB) vor, Medikamente einzusetzen, um Beziehungen zu retten und Scheidungen zu verhindern. Sie betrachten die Liebe als neurologischen, biochemischen Prozess, den man mit entsprechenden Mitteln stimulieren kann. An der Pille, welche die Liebe zurückholt, wird intensiv geforscht, und zweifelsohne dürfte die Pharmaindustrie irgendwann geeignete Präparate präsentieren.

Doch wäre das tatsächlich ein geeigneter Weg, um Liebe und Lust zurückzuholen, die sich inmitten von Routine, Alltag und Kindergeschrei verflüchtigt haben? «Nein», sagt der Berner Psychologe und Paartherapeut René Hess (45). «Paarprobleme lassen sich nicht auf biologische Probleme reduzieren. In einer Beziehung spielen die unterschiedlichsten gesellschaftlichen, soziologischen und psychologischen Aspekte eine Rolle.»

Mit einer Liebespille würden nur falsche Hoffnungen geweckt — als liessen sich Beziehungsprobleme einfach so rasch aus der Welt schaffen. «Würden wir diese Aufgabe sogenannten Lovedrugs überlassen, statt den eigenen Fähigkeiten zu vertrauen, gäben wir unnötig Verantwortung ab», sagt René Hess. Und wenn die Wirkung des Medikaments nachlässt und das Kribbeln im Bauch sich davonmacht, bliebe nur der Griff zur nächsten Pille. Ein Teufelskreis der Abhängigkeit wäre die Folge. Da helfen nur althergebrachte Rezepte, um eine Beziehung lustvoll und lebendig zu halten: «Man muss sich Zeit füreinander nehmen und sich bemühen, einander zum Blühen zu bringen», erklärt Hess. Die Anstrengung ist unausweichlich, denn es ist normal, dass sich das Liebesgefühl mit der Zeit verändert. «Ewige Verliebtheit ist ein Mythos», sagt Hess. Und diese lässt sich auch nicht mit einer Pille herbeizaubern.

Autor: Claudia Langenegger