Archiv
02. Mai 2016

Eine Etikette für den Fahrstuhl?

Kolumnist Philipp Tingler beantwortet jede Woche eine Frage des modernen Benehmens. Diesmal: Gibt es eine Etikette im Fahrstuhl?

die Intimraumdistanz im Lift
Im Lift wird oft die Intimraumdistanz von 45 cm unterschritten.

«Nicht an vielen Orten kommen Anonymität und Intimität so zusammen wie im Fahrstuhl.
Hier werden wir häufig in unserer Intimraumdistanz von 45 Zentimetern tangiert, und das heisst: Jeder versucht, den Abstand zu den anderen zu maximieren.

So ist nachgewiesen, dass im Lift zuerst die Ecken besetzt werden, dann die Mitte, dann wirds eng. Jeder will mit dem Rücken zur Wand stehen und alle mit dem Gesicht zur Tür. Blickkontakt wird peinlich vermieden.

Das muss nicht sein. Wenn sich im Lift Ihre Blicke mit denen eines Mitreisenden kreuzen, lächeln Sie einfach. Halten Sie die Tür geöffnet für Heraneilende, und lassen Sie andere zuerst aussteigen.
Auch ein kurzer Gruss beim Betreten eines besetzten Fahrstuhls ist oft angebracht. Sie sind aber nicht verpflichtet, 25 Fremde unterwegs an die Spitze des Prime Tower mit einem jovialen ‹Hoi zäme› zu begrüssen.»

Autor: Philipp Tingler

Illustrationen: Andreas Klammt