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29. Februar 2016

Essen gegen den Blues

In einem Stimmungstief suchen viele Trost im Essen und Trinken. Denn mit der Nahrung füttern wir auch unser Belohnungszentrum im Gehirn. Das kann ins Gewicht fallen – wenn die Lust nach Süssem überhandnimmt.

Glücklichmacher: Schokolade
Einer der beliebtesten Glücklichmacher unter den Süssigkeiten: Schokolade. (Bild: Getty Images)

Hin und wieder passiert das jedem: Die Stimmung sackt in den Keller.
Instinktiv handeln wir. Der eine geht joggen oder radeln, andere rauchen oder geben sich dem Glücks- oder Liebesspiel hin. Eine weitere Methode, unser Gehirn aus dem Tief zu holen, ist, zu essen oder zu trinken.
Der Drang, die Gemütslage auf diese Weise zu verbessern, ist stark.

Die Verknüpfung von Essen und Emotion haben wir von unseren Urahnen geerbt: Die Nahrung war Lohn für die beschwerliche Suche nach ein paar Beeren oder die riskante Jagd nach Tieren. Heute, in einer Zeit des Nahrungsüberflusses, ergibt dieser Zusammenhang wenig Sinn.
Und im Gegensatz zu früher sind Anstrengung und Stress nicht mehr mit körperlicher Bewegung verbunden: Geschlemmt wird sitzend im Büro oder liegend vor dem Fernseher. Da ist es sinnvoller, nach kalorienarmen oder gar -freien Stimmungshebern Ausschau zu halten. Zumal das, was uns besonders reizt, oft auch besonders viele Kalorien hat, sei es süss oder fettig.

Allerdings: Wer sich vom Apfel den gleichen Effekt erhofft wie von der Lieblingsschoggi, wird meist enttäuscht. Mit der geliebten Schokolade verbinden wir auch Kindheitserinnerungen, die sich im Gehirn eingebrannt haben. Wäre das nicht so, hätte ein Zuckerwürfel die genau gleiche Wirkung. Der Treibstoff Glukose, der im Gehirn ein Gefühl der Zufriedenheit ver­mittelt, kann es also allein nicht sein – es ist die Mischung aus Süsse und gewohnten Geschmacks­noten, die uns emotionale Linderung verschafft. Das bedeutet: Im Stimmungstief ­ist nur das Original das Wahre.

Eine Frage der gesunden Dosis

Entscheidend ist – wie meist beim Essen – das richtige Mass. Wer aufs Gewicht achten sollte, geniesst besser seltener oder weniger, ­dafür umso intensiver und ohne Gewissensbisse. Die Schoggi, die Erdbeerglace oder die Vanillecreme langsam im Mund schmelzen zu lassen und sich ganz bewusst auf Aroma und Konsistenz zu konzentrieren, lässt ein neues Geschmackserlebnis entstehen.

Zwar ist der Apfel als Ersatz für die Schokolade meist nutzlos, es gibt aber wirksame Alternativen. So kann neben den kalorienreichen Süssigkeiten auch die Schärfe eines Tees aus frisch geschnittenem Ingwer happy machen. Und das ganz ohne Kalorien. 

Autor: David Fäh