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23. Juni 2014

Essen bis der Arzt kommt

Eine Studie des Universitätsspitals Zürich zeigt erstmals, wie verbreitet Essstörungen in der Schweiz sind. Die wichtigsten Fakten in der Übersicht. Lesen Sie über den Link auf der rechten Seite ausserdem, wie eine Betroffene mit ihrer Magersucht umgeht.

Binge Eating Disorder
Wer zu schnell zu viel isst, leidet womöglich unter der Binge Eating Disorder. (Bild: Getty Images)

Zu viel essen oder zu wenig essen – kurz zusammengefasst geht es bei einer Essstörung darum, sich nicht «normal» zu ernähren. Die Studie «Prävalenz von Essstörungen in der Schweiz», die im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit durchgeführt wurde, lässt erstmals Rückschlüsse auf die Zahl der Betroffenen zu. Es ist international die erste und grösste Studie dieser Art.

Drei unterschiedliche Esstörungen

Am häufigsten sind folgende Essstörungen: Binge Eating, Bulimie und Magersucht. Von Ersterem ist jemand betroffen, der an Essanfällen leidet und viel zu grosse Portionen auffallend schnell verschlingen. Das komplette Gegenteil davon ist Magersucht (Anorexia nervosa): Betroffene essen zu wenig, weil sie sich für einer Gewichtszunahme fürchten und Angst haben, dick zu werden. Wer unter Bulimie leidet, zeigt ein vergleichbares Essverhalten wie beim Binge Eating, versucht jedoch die Gewichtszunahme zum Beispiel durch herbeigeführtes Erbrechen zu verhindern.

Grosse Verbreitung in der Schweiz

3,5 Prozent aller Schweizerinnen und Schweizer leiden oder litten bereits an einer oder mehreren der drei Störungen. Das liegt über dem europäischen Wert von 2,5 Prozent. Am weitesten verbreitet ist Bulimie gefolgt von Binge Eating und Magersucht. Laut der Studie gibt es zwar auch Männer mit Essstörungen, aber Frauen sind vier Mal häufiger davon betroffen.

Obwohl die Studie zum Schluss kommt, dass die soziale und physische Lebensqualität von Menschen mit Essstörungen deutlich leidet, kontaktieren längst nicht alle einen Arzt. Befragte mit Magersucht nutzen die Möglichkeit am häufigsten (80 Prozent). Bei Bulimie suchte noch jeder dritte und bei Binge Eating sogar nur jeder zweite Betroffene fachliche Hilfe.

Jeder vierte Schweizer übergewichtig

Das Ziel der vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) finanzierten Studie ist es, die Bevölkerung für die Probleme von Unter- und Übergewicht zu sensibilisieren. Denn davon sind deutlich mehr Schweizerinnen und Schweizer betroffen als von einer Essstörung: Jeder Vierte ist übergewichtig, vier Prozent wiegen zu wenig. Gerade mal zwei Drittel der Bevölkerung ist normalgewichtig. Zu wenig für das BAG.

Download der Studie

Autor: Reto Vogt