19. Juni 2017

Es muss nicht supergeil sein

Warum werden mir bestimmte Artikel empfohlen?
Warum werden mir bestimmte Artikel empfohlen?
Lesezeit 2 Minuten

Liebes Migros-Magazin, wir müssen reden. Wenn ich auf eurer Website meine eigene Kolumne aufrufe, was ich zuweilen tue, um zu sehen, ob es Kommentare und Fragen zu beantworten gibt, scheint mein Text auf. Scrolle ich dann runter, sehe ich zuerst … Eben nicht die Kommentare, nein. Sondern die Rubrik: «Könnte Sie auch interessieren».

Und jedes Mal frage ich mich, wie ihr darauf kommt, was mich interessieren könnte. Zuallererst wird mir Ueli Steck vorgeschlagen. Kein Interesse, pardon. Dann: «Es war eine Riesenbefreiung». Nichts dagegen, dass dieses Magazin mitunter Themen aufgreift, von denen – wie soll ich sagen? – nicht gerade die Mehrheit der Bevölkerung betroffen ist. Aber nein, danke, ich verspüre nicht den Wunsch, mir, wie im Artikel beschrieben, ein gesundes Bein amputieren zu lassen. Die weiteren Vorschläge: Die Kolumne «In der Eltern-Sauna», in der Kollegin Bettina Leinenbach wort- und witzreich das Dilemma umschreibt, wenn Eltern manchmal ganz allein sein möchten, um … Dings… ähm … so Dinge zu tun, die Eltern nun mal tun (nicht zuletzt, um überhaupt Eltern zu werden), und dass dies mit Kindern im Haushalt schwierig sei. Okay, das kommt mir nicht unbekannt vor.
Dann aber: «Drei klassische Paarprobleme», «Was hilft wirklich gegen Cellulite?» und der Artikel «Es muss nicht alles immer supergeil sein», in dem zwei Sextherapeutinnen Auskunft geben. Sorry, aber woher wollt ihr wissen, ob ich diesbezüglich Beratungsbedarf habe?

Ich weiss, was ihr sagen werdet: Niemand sei schuld. Algorithmen würden die Themenvorschläge bewirken. Aber wer, bitte, hat die programmiert? Und wer sagt euch, dass mir die Story «Die Reise in ein neues Leben» … Okay, die gefiel mir wirklich: Wie eine Schweizerin sich auf den ersten Blick in einen Isländer verliebte, zu ihm zog und glücklich wurde. Ich mag Happy Ends und vergiesse dazu im Kino stets verlässlich Tränen. Aber nachdem ich «Die Reise in ein neues Leben» nun schon drei Mal gelesen habe – könntet ihr, Verzeihung, eure Algorithmen bitte davon abhalten, sie mir erneut unter die Nase zu reiben? Merci. Das erinnert mich an die Werbebeiträge, die im Internet stets aufploppen, auf «meine Bedürfnisse» abgestimmt. Doch weshalb sollte ich, wenn ich im April nach Boston geflogen bin, schon wieder hinfliegen wollen?

Was ich dort getan habe? Ein Frauenfussballspiel besucht. Frauenfussball bietet mir eure Website nie an. Obgleich das Migros-Magazin darüber berichtet hat: am 8. Juni 2015, ich hab nachgeschaut. Und weil ich den Artikel damals übersah: Könntet ihr ihn mir bitte das nächste Mal online vorschlagen?


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