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13. Februar 2012

«Es gibt noch immer schwarze Schafe»

Die Kantone sollen kontrollieren, ob Haushaltshilfen genügend Lohn bekommen. Überraschungsbesuche zu Hause werde es aber kaum geben, sagt Peter Gasser vom Seco.

Haushaltshilfe beim Putzen
2009 arbeiteten rund 60'000 Personen in privaten Schweizer Haushalten. Rund die Hälfte hatte einen Arbeitsvertrag. (Bild: Keystone)

Peter Gasser, gibt es Schätzungen, wie viele Schweizer Haushalte Hilfen beschäftigen?

Wir gehen davon aus, dass 2009 rund 60'000 Personen in Privathaushalten beschäftigt waren.

Und wie viele davon hatten einen offiziellen Arbeitsvertrag?

Rund die Hälfte müsste dem Normalarbeitsvertrag mit Mindestlohn unterstellt gewesen sein. Wie viele es wirklich waren, lässt sich nicht beziffern, weil Arbeitsverträge nicht schriftlich geschlossen werden müssen. Zahlen gibt es über das vereinfachte Abrechnungsverfahren für Angestellte, das mehrheitlich für Haushaltshilfen genutzt wird. 2010 waren das rund 24 000 Personen.

Seit 2011 gilt für Haushaltshilfen ein Mindeststundenlohn von 18 bis 22 Franken. Der Bund will nun, dass die Kantone kontrollieren, ob er eingehalten wird. Haben Sie Hinweise, dass dies nicht der Fall ist?

Die Untersuchungen vor 2011 haben gezeigt, dass dies vorkommt. Wir gehen davon aus, dass es noch immer schwarze Schafe gibt. Die Kontrollen sollen uns Daten verschaffen, um zu entscheiden, ob wir die Mindestlohnregelung verlängern, die auf drei Jahre befristet ist.

Wie sollen diese Kontrollen ablaufen? Muss man zu Hause mit Überraschungsbesuchen von Putzfraukontrolleuren rechnen?

Nein. So was passiert höchstens, falls eine Denunzierung vorliegt. Stattdessen kann man die Verträge bei den Arbeitsvermittlern kontrollieren. Prüfmöglichkeiten bestehen auch bei Arbeitsbewilligungen für Personen aus Drittstaaten und bei den meldepflichtigen Stellenantritten. Die Kantone sind optimistisch, dass sie auf diesem Weg zu aussagekräftigen Daten kommen.

Was, wenn jemand erwischt wird?

Bisher musste der Arbeitnehmer vor Gericht gehen und die Differenz einklagen, das war der einzige Weg. Nun ist eine Gesetzesänderung geplant, die im Sommer ins Parlament kommt. Sie sieht eine Strafe von bis zu 5000 Franken vor.

2007 hat der Bund mit einer grossen Kampagne versucht, Schwarzarbeit im Haushalt zu reduzieren. Was hat das gebracht?

Einiges. 2008 gab es 12 000 Anmeldungen über das vereinfachte Abrechnungsverfahren, bis 2010 hat sich die Zahl verdoppelt. Das Bewusstsein für dieses Thema ist bei den Leuten also klar gewachsen.

Peter Gasser, Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco)
Peter Gasser, Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco, Bild: zVg)

Die Leser fragen

Peter Gasser beantwortet zwei Fragen unserer Leserinnen und Leser:

Roger Pelletier, Düdingen FR: Der Normalarbeitsvertrag mit Mindestlöhnen gilt nicht für Pensen unter fünf Stunden pro Woche. Gerade Putzfrauen haben aber oft niedrigere Pensen pro Kunde. Warum hat man ausgerechnet sie ausgeklammert?

Die Resultate einer Arbeitsgruppe mit den Sozialpartnern hat aufgezeigt, dass sie in den allermeisten Fällen Löhne bekommen, die über diese Mindestlöhne hinausgehen. Die Nachfrage nach solchen Putzfrauen ist gross, sie gehören nicht zur Risikogruppe der Unterbezahlten – anders als Hausangestellte mit einer Festanstellung.

 Vreni Allenspach, Rotkreuz ZG: Gelten Mindestlohn und Meldepflicht schon ab einem einmaligen Einsatz?

Mit dem Schwarzarbeitsgesetz von 2008 ist die rechtliche Lage klar: Beides gilt ab dem ersten Franken Lohn.

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