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27. Februar 2017

Erzähl von der Schule!

Wenn Kinder nichts über die Schule berichten, ist das in der Regel kein Grund zur Sorge: Aus Sicht des Kindes steht einfach nichts Wichtiges an. Für die Eltern gibt es aber Mittel und Wege, über den Schulalltag ihres Nachwuchses auf dem Laufenden zu bleiben.

über die Schule reden
In einer anderen Welt: Kinder brauchen eine konkrete Ansprache, damit sie über die Schule reden. (Bild: Getty Images)

Tania kommt von der Schule nach Hause, stellt den Schulthek in die Ecke und rennt in die Küche, um ihren Vater Reto zu begrüssen. «Hallo, Grosse, wie wars in der Schule?», fragt er. Die Neunjährige zuckt mit den Schultern. «Och, alles gut», sagt sie und guckt in den Kochtopf, um zu erfahren, was es zum Mittagessen gibt. Auch später erzählt sie nichts; am Nachmittag ist sie mit Kolleginnen verabredet.

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Am nächsten Tag erfahren Reto und seine Frau Milena von den Eltern eines Klassenkameraden, dass die Lehrerin ein wichtiges Klassenprojekt angekündigt hat, bei dem auch die Eltern mithelfen sollen. Sie seufzen: «Das geht immer so. Schulreisen, Projekte, aber auch Unruhen in der Klasse – Tania erzählt einfach nichts.» Sie überlegen, ob sie besser gar nicht erst fragen sollten.

Die Schule ist eine ganz andere Welt

«Für Kinder ist es durchaus wichtig, dass die Eltern sich für die Schule interessieren und ihre Erwartungen ausdrücken», erklärt Benno Rottermann (40), Primarlehrer und Dozent für Entwicklungspsychologie an der Fachhochschule Nordwestschweiz in Windisch AG.

Antworte ein Kind auf die Frage «Wie läufts?» mit «Alles gut», heisse das allerdings nicht, dass es nichts zu berichten gäbe. «Vielmehr liegt gerade nichts an, was das Kind sofort loswerden muss», erklärt Benno Rottermann. Für Kinder sei die Schule eine ganz andere Welt als das Zuhause.

Oft können sie sich nicht genau vorstellen, was die Eltern von dieser anderen Welt wissen wollen.

Auch das strukturelle Denken, also das Abwägen, was für die Eltern eine wichtige Information sein könnte, sei im Kindesalter noch nicht fertig entwickelt. «Darum können Kinder abstrakte Informationen weniger gut abrufen», sagt der Entwicklungs­psychologe. «Manchmal gelingt das Erinnern erst, wenn die Eltern ganz konkret nachfragen oder mit ihrem Kind das Hausaufgabenbüchlein durchsehen.» 

Autor: Claudia Weiss