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22. Juni 2015

Erfolgsrezepte für die Online-Liebe

Gibt es Regeln fürs Kennenlernen im Internet? Kaum solche, die zugleich für ernsthafte Partnersuche, Abenteuer oder Spielereien gelten. Fünf Punkte für die, denen es (möglicherweise) ernst ist. Haben Sie selbst ein Rezept?

Gibt es Regeln fürs Kennenlernen im Internet? Eine Anleitung für die Online-Liebe.
Gibt es Regeln fürs Kennenlernen im Internet? Eine Anleitung für die Online-Liebe.

Paare, die sich im Web kennengelernt haben, sind im Schnitt zufriedener, gibt Guy Bodenmann im Interview ( «Man muss sich um den Partner bemühen» ) zu – bevor er sich den Risiken virtueller Liebe widmet. Die wichtigsten Tipps für Online-Beziehungen, damit sie im «realen» Leben Chancen haben. Kennen Sie ein erprobtes Erfolgsrezept? Beschreiben Sie es in einem Kommentar (unten).
1. Wählen Sie die passende Plattform
Überlegen Sie sich vor der ersten Aktivität gut, was Sie wollen. Wenn es primär um Unterhaltung, Spielen mit der eigenen Wirkung und die Ansicht möglichst vieler Kandidaten geht, sind Gratisprogramme durchaus das Richtige. Am unterhaltendsten sogar eher Apps für Mobile- (oder Tablet-)Benutzung.
Wenn Ihnen aber am Ausloten, gar Finden von Partnern gelegen ist, mit denen ein Teil des künftigen Lebens verbracht werden soll, lohnen sich andere Anbieter. Seriösere Kontakt-Plattformen wie etwa Parship, die neben einer eingeschränkten Gratisversion meist ein gebührenpflichtiges Angebot führen. Im besten Fall sind deren Datenkombinationen, die Kennenlernvorschläge auslösen, wirklich brauchbar. Sicher aber ist der Webraum abgesicherter. Und vor allem die Chance weit grösser, Leute vor sich zu haben, die ebenfalls eher ernsthafte Bindungspläne hegen.

Fazit: Machen Sie sich zuerst Ihre Absichten bewusst, wählen Sie das passendste Instrument, und zuletzt passen Sie noch Ihre Erwartungen der Kontakt- oder Dating-Site oder App – und vor allem den anderen Nutzern an.
2. Seien Sie so ehrlich, wie Sie es von anderen erwarten
Gestalten Sie Ihr Profil und, ebenso wichtig, die ersten direkten Kontaktschritte möglichst der Wahrheit entsprechend. Einmal etwas beschönigen mag drin sein, Fähigkeiten, Aussehen, Erfahrungen, Alter oder sozialen Hintergrund grad neu erfinden nicht. Nicht, wenn Sie einem möglichen Gegenüber noch begegnen wollen – gar mehr als ein Mal. Als Faustregel gilt: Seien Sie so echt und transparent, wie Sie es eigentlich von anderen erhoffen.

Oft vergessen: Mit Vortäuschen betrügen Sie sich schnell einmal mindestens ebenso sehr selbst wie jemand anderen!
3. Geben Sie der entstehenden Beziehung Zeit und Raum
Fallen Sie nicht mit der Tür ins Haus, wenn Sie sich nicht im Klaren sind, ob Sie überhaupt schon die richtige Abzweigung oder Einfahrt erwischt haben.
Bauen Sie im Kontakt mit neuen Bekanntschaften das Bild von sich selbst schrittweise und geduldig auf, präsentieren Sie sich nicht als ganze Person auf einmal. Das wirkt bald einmal sehr voreingenommen (von sich selbst), um nicht zu sagen: selbstverliebt. Und vor allem lässt es zu wenig Raum für das eigene Interesse am andern. Und darum geht es ja für Sie hauptsächlich.

Also: Keine «Stellenbewerbung» oder ein reich gefütterter Facebook-Auftritt werden.
4. Wagen Sie den Sprung in eine neue Beziehung
Hoffentlich hat sich mit jemandem ein interessanter Austausch ergeben, man ist sich mit Chats, Nachrichten oder Mails nähergekommen und sehr sympathisch geworden, auch den Test der (Video-)Telefonie hat die neue Bindung erfolgreich überstanden. Dann steht der grosse Schritt des ersten Treffens mit der Person in Fleisch und Blut an. Wichtig: Selbst wenn bisher beide authentisch waren, wird damit eine ganz neue Ebene der Beziehung eröffnet. Vielleicht hat man Wortwitz, Ausdrücke, Denkschemen und vieles mehr kennengelernt, aber die «Chemie» beim direkten Gegenübersitzen noch nie getestet. Früher war es umgekehrt: Den ersten Auftritt brachte man gleich hinter sich, feine Arten der Kommunikation folgten später…

Schlussfolgerung: Gehen Sie trotz aller gewonnenen Vorstellungen von der neuen Bekanntschaft möglichst offen zum ersten Treffen im realen Leben. Mässigen Sie die Erwartungshaltung ein wenig – stellen Sie sich vor: Ich lerne jemand ganz Neuen kennen, die oder der aber etwas mit der/dem bisher Bekannten zu tun hat. Genug? Das versuchen Sie sich danach in Ruhe zu überlegen.
5. Erneuern Sie die Paarbasis stets neu
Was Guy Bodenmann im Interview vom 22. Juni 2015 auch rät (stets neu in die Beziehung zu investieren), gilt bei zuerst online geknüpften Banden in der ersten Zeit regelmässiger Treffen oder später gar des Zusammenlebens noch mehr.
Nehmen Sie bald einmal im Web oder am Telefon gemachte Versprechungen und Liebesbezeugungen nicht für lange als gegeben hin, ohne sie zu erneuern, zu verändern, an ihnen zu arbeiten.

Zu akzeptieren: Es ist ganz normal, dass gewisse Schritte der Beziehung auf einer neuen Ebene anders nochmals durchlaufen werden, soll sie möglichst lange dauern und beide Seiten zufriedenstellen.

Autor: Reto Meisser