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08. April 2013

Erdrückende Erwartungen

Facebook, Schönheitswahn, Notendruck: Die Ansprüche an Mädchen sind hoch. Für viele zu hoch. Jugendpsychiater schlagen Alarm.

Weinendes Mädchen
Buben lassen bei zu grossem Stress Dampf ab, Mädchen stellen sich selbst infrage – bis zum Nervenzusammenbruch. (Bild: Getty Images)

Kinder- und Jugendpsychiatrische Dienste in der Schweiz melden steigende Zahlen, vor allem bei jungen Mädchen. Gute Schulnoten abliefern, den Sprung ins Gymi schaffen, perfekt aussehen, in den sozialen Netzwerken im Internet gut rüberkommen: Die Pubertierenden fühlen sich überfordert von den ständig steigenden Ansprüchen. «Der Druck ist vielfältiger geworden», bestätigt Daniela Melone (46), Leiterin Beratung des Eltern Clubs Schweiz von Pro Juventute. Zwar haben Mädchen heute die Möglichkeit zu wählen, wie sie sein möchten. Doch: «Die Suche nach einer passenden Rolle kann auch Stress bedeuten: Wie will ich sein? Ist meine Entscheidung richtig?», sagt Daniela Melone.

Auch Buben stehen vermehrt unter Druck. Sind die Erwartungen an sie zu gross, lassen sie den Stress häufig nach aussen ab, werden aggressiv. «Mädchen richten Druck oft gegen innen und stellen sich selbst infrage», sagt Daniela Melone. In schweren Fällen können Depressionen, Selbstverletzungen oder Zusammenbrüche die Folge sein. Auch der Wertewandel trägt zu den Problemen bei: Verhaltensregeln sind lockerer geworden oder ganz weggefallen. «Regeln sind aber auch Leitplanken», sagt Daniela Melone. Gerade in der Pubertät, wenn Zweifel und Verunsicherung gross sind, kann es verheerend sein, wenn diese Leitplanken wegfallen.

Eltern empfiehlt die Beraterin, aufmerksam zu sein, nachzufragen, wie es dem Kind geht. Aber: «Sich aufzudrängen, ist kontraproduktiv.» Am besten sei es, vorzuleben, wie man gute Wege durch den Alltagsstress findet. Einfach ist das nicht: Denn auch Erwachsene stehen unter grösserem Druck als früher. Rat finden Eltern bei der 24-Stunden-Hotline www.elternclubschweiz.ch

Autor: Claudia Langenegger