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26. Oktober 2015

Entschlacken? Aus Wein wird Wasser

Entschlacken Sie den Körper, heisst es oft. Doch was ist eigentlich Schlacke? Und können Kuren den Körper wirklich reinigen?

Saftkuren und Heilfasten tun gut
Saftkuren und Heilfasten tun gut. Schlacken werden dabei aber keine aus dem Körper geschwemmt.

Fastenkuren und Saftdiäten klingen zwar nicht genussreich, dennoch finden sie immer mehr Anhänger. Das Konzept klingt einleuchtend: Weil wir nicht immer gesund essen und aus der Umwelt Giftstoffe aufnehmen, sammelt sich in unserem Körper Schlacke an, was uns längerfristig schadet. So die Theorie. Eine Entschlackung muss her. Sie soll helfen, die Leber zu entgiften.
Als Entschlackungsmassnahmen werden Schwitzkuren, Rohkost, Abführmittel, Blutreinigungsmittel, Trinkkuren oder Heilfasten angeboten. Bloss, wer bei den Anbietern nachfragt, was sie unter «Gift» und «Schlacke» chemisch verstehen, wird enttäuscht. Angaben darüber, welche toxischen Moleküle sich genau im Körper ansammeln, gibt es keine.

Kaum verwunderlich, denn solche Stoffe existieren nicht. Unsere Leber ist eine geniale Fabrik, die uns vor Schaden bewahrt, wenn wir zu viel oder das Falsche essen oder trinken. Sie macht aus Wein Wasser und baut Medikamente und schädliche Stoffe ab oder um, damit sie neutralisiert sind. So können Darm oder Nieren sie problemlos ausscheiden, zum Beispiel in Form von Harnsäure oder Harnstoff.
Sollen wir deshalb auf Fasten- und Saftkuren verzichten? Nein, kulinarischer Verzicht kann durchaus Sinn machen. Oft verbessern sich durch solche Kuren Risikofaktoren wie Blutzucker und -fette. Zudem schärft eine Kur die Sinne, etwa Geschmacks- und Geruchssinn, aber auch die Empfindung von Hunger und Sättigung.

Spirituelle Reinigung mit Kuren und Diäten
Bewusstes Verzichten kann auch spirituell reinigen, also den Kopf von Ballast befreien. Besonders gut funktioniert das zusammen mit einem Plus an körperlicher Aktivität. Zum «Entschlacken» taugen Kuren und Diäten aber ebenso wenig wie zum Abnehmen. Schliesslich ändern Fastende nichts am Verhalten, das für die überschüssigen Pfunde sorgt.
Was sich in unserer Leber tatsächlich ansammelt, ist Energie in Form von Zucker. Mehrstündige essensfreie Perioden helfen, diese Reserven abzubauen. Ab und zu das Abendessen zu streichen, ist also eine clevere Idee – ganz ohne Schlacke.

Autor: David Fäh