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17. Juni 2013

Enge Freunde oder viele Bekannte?

Die meisten Menschen pflegen sehr enge wie auch lose Freundschaften. Aber welche Bedeutung ihnen zugemessen wird und wie viele es sind, darin zeigen sich unterschiedliche Bedürfnisse. Testen Sie Ihr Freundschaftsverhalten.

Der 'Klebstoff' der Freundschaft
Wie stark ist der 'Klebstoff' der Freundschaftsbeziehung?

Natürlich hängt es mitunter etwa davon ab, wie alt man ist oder wie lange man am selben Ort gewohnt hat. Dennoch zeigen die meisten Menschen laut Sozialwissenschaftern von Natur aus verschiedene Formen von Bindungsverhalten. Und dies gilt keineswegs nur für Paarbeziehungen, sondern auch für Freundschaften.
VIER FORMEN DER FREUNDSCHAFTGrob könnte man unterscheiden zwischen jenen, die fast alle Energie auf enge Beziehungen konzentrieren – nennen wir dies den Qualitätstyp. Daneben liegt vielen mehr an einem grossen Netz an losen Freundschaften als an wenigen, auf die kaum verzichtet werden kann – zählen wir sie vereinfacht zum Quantitätstyp. Weiter gibt es eine Mischform der ersten beiden Typen. Ebenfalls ein eigenes Verhalten kann dem Aktivitätstyp zugeschrieben werden: Seine Freundschaftsbeziehungen, etwas engere wie auch lose, definieren sich in deutlicher Mehrheit über Hobbys oder die Arbeit. Zu guter Letzt wäre vielleicht noch der Abstinenztyp zu erwähnen. Diesen Einzelgänger lassen wir hier aber weg, denn schliesslich zeigt er ja fast kein Freundschaftsverhalten.
Die folgenden Testfragen mit der Auflösung rechts oben verraten, zu welchem Verhalten Sie neigen.
1) Haben Sie Freunde, die Sie mehrmals pro Monat sehen?
Nein. In gewissen Monaten schon, regelmässig aber nicht. [3]
Ja, zwei oder drei sehe ich jeden Monat mehr als ein Mal, in Abwesenheit gibts lange Telefonate. [1]
Da müsste ich die Agenda zücken. Je nachdem, wie oft ich beim Sport, Musikverein oder anderem Hobby war … [5]
2) Mit wie vielen Freunden machen Sie möglichst immer zu zweit ab, weil sie sich ungestört mit ihnen austauschen oder einfach die Zeit geniessen wollen?
Bei den zwei bis sechs engsten Freunden ist dies generell so. [1]
Höchstens mit der/dem besten Freund(in). Ich habe gern mehrere Freunde um mich herum. [3]
Für Zweierkisten ist Liebe da, nicht Freundschaft. Je mehr Freunde und Beschäftigung, desto besser. [5]
3) Legen Sie in der Regel bei Freundschaftstreffen im Voraus fest, was Sie unternehmen, oder ergibt sich das spontan?
Da meine Freunde an die Beschäftigungen geknüpft sind und diese Vorrang haben, erübrigt sich die Frage. [5]
Bei engsten Freunden kommts kaum darauf an: Wir unternehmen einfach irgend was. [3]
Ich bin nicht der spontane Typ, also wird abgemacht. Aber was wir machen, ist mir völlig egal. [1]
4) Haben Sie eher Mühe oder brauchen zumindest etwas länger, um Freunde zu finden?
Nein, denen begegne ich da und dort, der Freundeskreis wächst stetig. [3]
Ehrlich gesagt dauerts schon, bis ich eine(n) gute(n) Freund(in) gewinne. Dann hält es aber. [1]
Ich bin sehr aktiv, und deshalb mache ich auch immer viele Bekanntschaften. [5]
5) Welchen Anspruch stellen Sie zuallererst an Freund(inn)e(n)?
Dass sie persönlich viel preisgeben und auch voll auf mich eingehen. [1]
Dass man mit ihnen mal Mist machen, aber auch mal ein ernstes Gespräch führen kann. [3]
Dass sie mitmachen und meistens mitziehen, wenn ich etwas unternehmen möchte. [5]
Zählen Sie die Punkte in Klammern hinter Ihrer jeweiligen Antwort zusammen. Die Auflösung finden Sie rechts oben.ARMER UND ABGELEGENER WOHNORT FÖRDERT DEN QUALITÄTSTYP
Die Forscher Shigehiro Oishi und Selin Kesebir fanden in einer Studie mit 200 eingehend befragten Amerikaner(inne)n heraus, dass neben der Veranlagung und sozialer Prägung in der Kindheit noch anderes darüber entscheidet, ob jemand zum Verhalten des Qualitäts- oder des Quantitätstyps neigt. Seine individuellen Lebensbedingungen nämlich. Allein mit dem Wohnort liess sich bereits ein unterschiedliches Beziehungsmuster in Sachen Freundschaft feststellen: Eine kleine Zahl an engen Freunden bevorzugen überdurchschnittlich viele Personen aus einer wirtschaftsschwachen Region – und/oder einer mit eingeschränkter Mobilität. Vergleichsweise boomende Metropolen oder grosse Agglomerationen förderten dafür klar häufiger den Quantitätstyp.
Zwei Gründe stachen für die Forscher heraus: Zum einen seien Menschen in ärmeren und abgelegenen Wohnorten viel stärker auf verlässliche Freunde angewiesen. Zum anderen erweist es sich in dicht bevölkerten, wirtschaftsstärkeren Regionen bereits als schwieriger, enge Freundschaftsbeziehungen aufzubauen, die Jahrzehnte halten.

Autor: Reto Meisser