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28. Oktober 2013

Endlager-Standorte in Europa

Wohin mit dem hochgefährlichen Müll?

Endlagerstandorte in Europa
Endlagerstandorte in Europa im Betrieb (rot), im Bau (gelb) und geplant (blau). Für hochradioaktiven Müll (Vorsicht-Schild).

Die Liste der Atomkraftwerke (AKW) in der Welt ist lang und wird immer länger, selbst wenn sich die Zahl der in Betrieb stehenden verringert. Einzelne europäische Länder steigen aus oder revidieren ihre Neubaupläne. In China, Russland und Asien sind aber etliche neue AKW in Planung oder im Bau. Der «saubere» Strom, der in diesen AKW produziert wird, hinterlässt die unsaubersten und gefährlichsten Abfälle, welche die Welt kennt. Und ein Endlager für diese hochradioaktiven Abfälle gibt es weltweit noch kein einziges. Anders bei den schwach- und mittelradioaktiven Abfällen: Für die gibt es in Europa verschiedene Lagerorte, drei von ihnen mussten allerdings aus Sicherheitsgründen schon wieder aufgegeben werden.

Die EU will von ihren Atomstrom nutzenden Mitgliedstaaten bis 2015 wissen, wie und wo sie ihren gefährlichen Müll künftig lagern werden – die Zeit wird knapp.

Bis hochradioaktiver Abfall endgelagert werden kann, lagert man ihn provisorisch in Zwischenlagern, in der Schweiz im Zwilag in Würenlingen AG.

Dies sind die Endlager, die in Europa in Planung oder im Bau sind:

Im Bau

Onkalo in Eurajoki, Finnland

Das weltweit am weitesten fortgeschrittene Endlager-Projekt ist bereits im Bau. Allerdings ist nicht 100-prozentig garantiert, dass es dereinst tatsächlich in Betrieb gehen wird, denn mit dem Bau finden parallel auch weitere geologische Abklärungen statt – und aufgrund dieser kann man zum Schluss gelangen, dass der Untergrund doch nicht geeignet ist. In einem Dokumentarfilm aus dem Jahr 2011 sieht man, dass es in der Untertagbaustelle nicht wenig Wasser hat – eine schlechte Voraussetzung für ein Endlager.

In Planung

Forsmark in Schweden

Beim Kernkraftwerk im schwedischen Forsmark gibt es bereits ein Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle. Nun will man auch eines für hochradioaktive Kernbrennstäbe bauen. Sie sollen in einer Tiefe von 500 Metern unter der Erdoberfläche in Kupferbehältern sicher gelagert werden. Die Inbetriebnahme ist auf 2020 geplant. Forscher zweifeln aber am Sicherheitskonzept.

Gorleben, Deutschland

Den Namen Gorleben kennt in Deutschland jedes Kind: Es ist der Inbegriff der Anti-Atom-Bewegung, da wo die Aktivisten die Bahnwagen mit der radioaktiven Ladung daran hindern weiterzufahren. In Gorleben werden nicht nur Castor-Behälter mit strahlendem Inhalt zwischengelagert, dort soll in einem Salzstock auch das deutsche Endlager für hochradioaktive Abfälle gebaut werden. Es gibt allerdings grossen Widerstand, denn die Rahmenbedingungen für die Erkundung des Standorts sind völlig veraltet: Sie sehen weder eine Umweltverträglichkeitsprüfung noch die Beteiligung der Öffentlichkeit vor. Aktuell ist das Projekt juristisch blockiert.

Bure, Frankreich

Wie in der Schweiz plant man auch in Frankreich, den hochradioaktiven Abfall im Tongestein endzulagern. Bei der Ortschaft Bure hat man ein Untertagelabor eingerichtet – wo in der Gegend das Endlager dereinst genau zu stehen kommen soll, ist noch offen. Man hofft dennoch, dass der Betrieb bereits 2025 aufgenommen werden kann.

Bestehende oder geplante Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle gibt es in Europa in Deutschland, Frankreich, Spanien, Belgien, Finnland, Norwegen, Schweden, Tschechien, Bulgarien, England, Slowenien, Rumänien und Ungarn.

Aus Sicherheitsgründen bereits stillgelegt werden mussten das Endlager Asse II (Wassereinbruch) und Morsleben (Einsturzgefahr) in Deutschland. Das Centre de la Manche in Frankreich erfüllt heutige technische und Umweltkriterien nicht. In den Fliessgewässern stellt man erhöhte Tritiumwerte fest.

Autor: Esther Banz

Fotograf: Reto Vogt