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22. Oktober 2012

«Eltern handeln heute schneller als früher»

Am 1. Januar 2013 wird im Berner Inselspital die schweizweit erste Notfallklinik nur für Kinder und Jugendliche eröffnet. Chefarzt Steffen Berger erklärt, weshalb.

PD Dr. med. Steffen Berger (48), Chefarzt a.i. Universitätsklinik für Kinderchirurgie, Leiter Notfallzentrum Kinderkliniken, Inselspital Bern.
PD Dr. med. Steffen Berger (48), Chefarzt a.i. Universitätsklinik für Kinderchirurgie, Leiter Notfallzentrum Kinderkliniken, Inselspital Bern.

PD Dr. med. Steffen Berger (48) ist Chefarzt a.i. Universitätsklinik für Kinderchirurgie, Leiter Notfallzentrum Kinderkliniken am Inselspital Bern.

1. Steffen Berger, weshalb braucht es ein Notfallzentrum nur für Kinder und Jugendliche?

Die Zahl der Kindernotfälle ist in den letzten 15 Jahren kontinuierlich angestiegen und liegt heute bei rund 20 000 Notfällen pro Jahr. Angesichts der hohen Anzahl Patienten wurde eine eigene Klinik notwendig.

2. Wie erklären Sie sich die starke Zunahme?

Dafür gibt es mehrere Gründe: Eltern handeln heute schneller als früher. Sie warten nicht mehr, bis sie am nächsten Morgen zu ihrem Arzt gehen können. Ausserdem haben immer weniger Leute einen Kinderarzt. Und in vielen ländlichen Regionen ist es oft nicht mehr möglich, nachts und am Wochenende einen Kindernotfalldienst aufrechtzuerhalten.

3. Welches sind denn die häufigsten Einlieferungsgründe?

Akute Infektionen der Atemwege und des Magen-Darm-Bereichs, Knochenbrüche und Gehirnerschütterungen. Aber grundsätzlich sehen wir bei uns alle Krankheiten, die im Kindheitsalter auftauchen können, also auch alle schweren Verletzungen und seltene Erkrankungen.

4. Hat Bern eine Vorreiterrolle?

Innerhalb der Schweiz schon, das Fachgebiet der Kindernotfallmedizin ist hierzulande noch sehr jung. Es erhält in Bern erstmals ein selbständiges Zentrum mit Leitung durch einen eigenen Chefarzt. Damit wird das Fachgebiet aufgewertet und die Ausbildung der dringend benötigten Notfallspezialisten gewährleistet.

5. Was kann das geplante Kindernotfallzentrum leisten, verglichen mit dem heutigen Notfall?

Der Notfall wurde ständig an die wachsende Zahl der jungen Patienten angepasst. Die Betreuung ist jetzt schon optimal. Wir werden jedoch Abläufe besser steuern und Wartezeiten verkürzen können. Wesentlich ist die gute Zusammenarbeit mit den lokalen Kinderärzten. Es ist ideal, wenn ein Patient nach der notfallmässigen Behandlung von seinem Kinderarzt in der Praxis nach­betreut werden kann.

20'000 Kindernotfälle pro Jahr veranlassen das Berner Inselspital, ein eigenständiges Notfallzentrum ins Leben zu rufen (derbund.ch vom 10. Oktober).
20'000 Kindernotfälle pro Jahr veranlassen das Berner Inselspital, ein eigenständiges Notfallzentrum ins Leben zu rufen (derbund.ch vom 10. Oktober).

Der Zeitungsartikel zum Thema

Am 10. Oktober 2012 berichtete «derbund.ch» über das neu geschaffene Notfallzentrum für Kinder und Jugendliche. Zum Artikel

Autor: Claudia Langenegger