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14. Oktober 2013

«Eltern haben Rechte»

Das Interview mit Peter Regli (49), Projektleiter bei der gemeinnützigen Organisation Fussverkehr Schweiz. Der Verkehrsexperte setzt sich für sichere Schulwege ein.

Pascal Regli (49) ist Projektleiter bei der gemeinnützigen Organisation Fussverkehr Schweiz.

Pascal Regli, wird der Schulweg wirklich immer gefährlicher?

Der motorisierte Verkehr hat in den letzten Jahren enorm zugenommen. Im Schweizer Strassenverkehr werden täglich mehr als fünf Kinder verletzt.

Wo bestehen die meisten Probleme?

In der Agglomeration. Diese Gemeinden sind in der Regel schnell gewachsen und autoorientiert. Die Sicherheitskonzepte für den Schulweg hinken hier daher meist hinterher.

Warum sollen Kinder überhaupt alleine zur Schule?

Der Schulweg ist ein wichtiges Stück Lebensweg. Hier schliessen sie Freundschaften, entdecken die Welt und lernen Schritt für Schritt, mit anspruchsvollen Situationen fertig zu werden. Hinzu kommt, dass viele Kinder sich heute ohnehin zu wenig bewegen. Zu Fuss zur Schule zu gehen, ist daher wichtiger denn je.

Genügt die Verkehrserziehung in der Schule?

Ja, es wird sehr viel getan. Aber es gibt auch Grenzen, weil die Kinder ihrem Alter entsprechend noch nicht in der Lage sind, Geschwindigkeiten und Distanzen richtig einzuschätzen. Deshalb werden sie zum Beispiel darauf gedrillt, erst zu laufen, wenn ein Auto vollständig angehalten hat. Das macht heute aber praktisch kein Autofahrer mehr. Das verunsichert die Kinder.

Was sollen und können Eltern beitragen?

Sie sind Vorbilder und sollen ihre Kinder langsam an den selbständigen Umgang mit dem Verkehr heranführen. Es darf aber nicht die ganze Verantwortung auf die Eltern abgeschoben werden, denn in der Schweiz ist das Recht auf einen zumutbaren Schulweg gesetzlich verankert. Darum kann es auch nur eine Übergangslösung sein, dass Eltern selbständig einen Lotsendienst auf die Beine stellen, wie es vielerorts mittlerweile geschieht. Es ist übrigens wichtig zu verstehen, dass Dinge, die für Erwachsene zumutbar sind, dies nicht zwingend auch für Kinder sind. Diese haben zum Beispiel viel weniger den Überblick, weil sie nicht über die Autos hinaussehen können.

Was tun, wenn der Schulweg nicht zumutbar ist?

Wir raten jeweils, sich nicht nur als Einzelkämpfer zu profilieren. Es nützt mehr, sich mit anderen Eltern und Interessengruppen zusammenzutun. Es gibt viele Fachorganisationen, die Betroffene dabei beraten, wie beispielsweise Fussverkehr Schweiz. Wenn alles nichts bringt, kann das Recht auf einen zumutbaren Schulweg auch vor Gericht eingeklagt werden. Das ist aber meist sehr mühsam.

Organisation Fussverkehr Schweiz

Autor: Andrea Fischer