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22. September 2014

Elektrosport

Screenshot Twitch FIFA
Statt ein echtes Fussballspiel schaut man bei Twitch Leuten zu, die das Videospiel FIFA spielen. (Bild: Screenshot Twitch)

Fettige Haare und Bauch, Hornbrille. Durch dicke Gläser starren übermüdete Augen in einen grossen Computerbildschirm. Direkt daneben liegen eine leere Tüte Chips und eine halbvolle Zigarettenschachtel. Der Aschenbecher quillt über. Das ist das Bild, das viele Schweizerinnen und Schweizer von Gamern haben – von Männern und Frauen, die regelmässig Computerspiele spielen. Es ist falsch.

Fast eine Milliarde Dollar zahlt Onlinehändler Amazon für die Übernahme der Firma Twitch, die ein gleichnamiges Videoportal ähnlich wie YouTube betreibt. Dort sind aber weder Musikclips noch Ausschnitte aus Fernsehsendungen zu sehen. Twitch zeigt einzig und allein Liveübertragungen aus Computerspielen, zum Beispiel die virtuelle Schlacht verfeindeter Clans – gesteuert von Profigamern. Wie Fussballspiele oder Formel-1-Rennen zahlreiche Fans vor die Bildschirme locken, tut das auch eine Partie «World of Warcraft» oder «Counter Strike». Und zwar mit beeindruckenden «Einschaltquoten»: Über 50 Millionen Menschen verfolgen jeden Monat, wie Gamer mit ihren Werkzeugen Maus und Tastatur umgehen.

Es sind keine Hobbyspieler, die nur in ihrer Freizeit vor dem Computer sitzen. Im Gegenteil: Genauso wie Fussballer Arjen Robben oder Formel-1-Pilot Sebastian Vettel sind es Profis, denen Fans zujubeln. Sie sind das Zielpublikum des neuen Twitch-Besitzers Amazon, der durch Werbeeinnahmen die Milliardeninvestition innert kurzer Zeit refinanzieren wird.

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Autor: Reto Vogt