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29. Mai 2012

Elektrisierendes Emmental

Das Emmental ist mehr als nur eine Käseregion. Wer mit dem Velo über die Hügel flitzt, erlebt Idylle pur. Und mit einem E-Bike macht die Tour von Langnau nach Thun doppelt Spass: Man schwitzt nicht und hat so mehr Musse für die fantastische Landschaft.

Der Blick 
auf den Niesen und die Berner Alpen
Rast in der Blumenwiese mit schönem Blick 
auf den Niesen und die Berner Alpen.

Pilger-, Töss- und andere Velotouren: Weitere Tagesausflüge auf SchweizMobil-Routen und wo liegt Ihre Lieblingsstrecke?

Eigentlich ist die Gegend hier für «Nichts» weltberühmt — für die Löcher in ihrem Exportschlager. Der wird in einem amerikanischen Wissensportal so beschrieben: «Emmental cheese is a creamy colored cow’s milk cheese with characteristic large holes.» Und diese Löcher haben es in sich. Vor allem wirtschaftlich gesehen. Die Produktion des legendären Emmentaler Käses hatte das Dorf Langnau Ende des 18. Jahrhunderts zu einem der wichtigsten Wirtschaftsstandorte des Kantons Bern gemacht. Von hier surren Sabine (46), Magdalena (46) und ich (43) mit unseren E-Bikes los, 72 Kilometer Wegstrecke auf der sogenannten Herzroute haben wir bis zu unserem Ziel Thun vor uns. Fünf schwarze Balken zeigen die Displays unserer Flyer-Velos an — die Akkus sind voll.

Langnau lassen wir hinter uns und überqueren die Emme via Schüpbachbrücke — eine historische Bogenbrücke aus Holz, wie es im Emmental viele gibt. Bald schon sind wir, wie so oft auf dieser Tour, auf einem kleinen Teersträsschen unterwegs, das gerade mal Platz für zwei Velos nebeneinander bietet. Von Autos werden wir kaum behelligt. Überhaupt ist die Landschaft weit. Hier gibt es noch grosse, kaum besiedelte Flächen. Hie und da ein Bauernhof mit den für die Region üblichen bis fast zum Boden reichenden Dächern, ansonsten vor allem Wald, Weiden und Wiesen. Wir passieren eine Weide mit Schafen und süssen kleinen Lämmchen. Schaf- und Ziegenherden werden wir heute noch oft sehen — und Kühe, sehr viele Kühe. Kein Wunder, immerhin benötigt man für ein Kilo Emmentaler Käse rund zwölf Liter Milch.

Dank der Gratis-App von SchweizMobil auf dem Handy können wir uns unterwegs jederzeit bestens orientieren.
Dank der Gratis-App von SchweizMobil auf dem Handy können wir uns unterwegs jederzeit bestens orientieren.
Schüpbachbrücke: Solche alten Holzbogenbrücken sind typisch für die Region.
Schüpbachbrücke: Solche alten Holzbogenbrücken sind typisch für die Region.

Fliegend an den Emmentaler Schönheiten vorbei

Die Löcher und den Geschmack verdankt der Emmentaler Säurebakterien, die sich an die Fettanteile der Milch heften und Kohlenstoffdioxid sowie Propionsäure freisetzen. Leider fehlte den Emmentalern die Weitsicht, ihren Käse schon früh schützen zu lassen — weshalb heute unter diesem Namen weltweit Käse hergestellt wird, der ausser den Löchern meist nicht viel mit dem Original gemeinsam hat. «Weit ist sein Gesichtskreis nicht, aber das Nächste sieht er klug und scharf», so beschrieb schon vor knapp 200 Jahren der Dichter und Emmentaler Pfarrer Jeremias Gotthelf den typischen Bewohner des Tals.

Nur noch drei Balken zeigt das Akkudisplay — was nicht verwundert, bei den vielen Steigungen, die wir hinter uns haben. Wohlgemerkt, ohne einen Schweisstropfen zu verschwenden — der elektrischen Tretunterstützung sei Dank. Fast schon müssen wir aufpassen, dass wir mit unseren Velos nicht an den Schönheiten der Gegend vorbeifliegen: blühende Obstbäume, Blumenwiesen, die bis zum Horizont in Gelb, Violett und Weiss leuchten, gurgelnde Bächlein. Oder das schmucke Kirchlein von Würzbrunnen, das durch viele Gotthelf-Verfilmungen bekannt wurde und heute ein beliebter Ort für Hochzeiten ist. Das Einzige, was wir vermissen: Restaurants entlang der Strecke. Wenn wir mal wieder einen Weiler mit zehn, 15 Häusern durchqueren, dann hat es neben den Bauernbetrieben eher eine Autogarage oder ein Sägewerk als einen Ort zur Einkehr. Und ausserdem hat das Akkudisplay schon wieder einen Balken verloren. Endlich gelangen wir in Röthenbach zu einem Restaurant, das gleichzeitig Akkuwechselstation ist. Das verrät uns unser Streckenplan. Einfacher gehts nicht: Im Kasten hinter dem Haus befindet sich die Ladestation mit rund 30 Akkus. Hier ersetzt man in Selbstbedienung den fast leeren Akku.

Helfende Kinderhände beim Akkuwechsel

Danach gehts in die Gaststube. Zwar nicht ganz unpassend, aber doch unnötigerweise stimmt jemand den Refrain eines unsäglichen Karnevalsliedes an: «Hier fliegen gleich die Löcher aus dem Käse, denn nun geht sie los, unsere Polonaise …» Aber von Löchern im Käse keine Spur. Unser bestellter Wurst-Käse-Salat enthält statt Emmentaler den lochlosen und erst noch ausserkantonalen Gruyère. Blasphemie!

Nach 72 Kilometern sind Üsé, Sabine und Magdalena (von links) in Thun angekommen – im Vordergrund die Aare und oberhalb das Schloss Thun mit den vier Ecktürmen.
Nach 72 Kilometern sind Üsé, Sabine und Magdalena (von links) in Thun angekommen – im Vordergrund die Aare und oberhalb das Schloss Thun mit den vier Ecktürmen.

Nach dem Mittagessen geht das Auf und Ab erst richtig los. Wir sind jetzt bereits in der Region Thun unterwegs, und die Restaurantdichte nimmt wieder zu. Bei der nächsten Akkuwechselstation in Horrenbach sind uns zuvorkommende Kinder beim Austausch behilflich. Bald darauf erblicken wir den Niesen. Nochmals fünf Minuten später reicht das Panorama bereits über den nun unter uns liegenden Thunersee bis zu Eiger, Mönch und Jungfrau. Vom Örtchen Schwendi, auf gut 1100 Meter über Meer, sind es nun fast 600 Höhenmeter hinunter bis nach Thun. Das garantiert nochmals rasante Abfahrten, die Konzentration verlangen.

Unten in der Ebene ist es gleich zwei, drei Grad wärmer, und bald erblicken wir das Schloss Thun mit den charakteristischen vier Ecktürmen. Wir buchen hier ein SchweizMobil-Partnerhotel mitten in der Altstadt, um dann die Reise am nächsten Tag fortzusetzen. Hier, direkt an der Aare, herrscht fast schon mediterranes Ambiente mit den vielen Strassencafés. Weil von hier aber auch Eiger, Mönch und Jungfrau bestens zu sehen sind, wird einem doch gewahr, dass man nicht an der Riviera, sondern im Land der Berge und des Käses ist.

SchweizMobil bietet die schönsten offiziell signalisierten Routen zum Wandern, Velofahren, Mountainbiken, Skaten und Kanufahren in der Schweiz.
SchweizMobil bietet die schönsten offiziell signalisierten Routen zum Wandern, Velofahren, Mountainbiken, Skaten und Kanufahren in der Schweiz.

Die Migros ist langjährige Partnerin von SchweizMobil.

Autor: Üsé Meyer

Fotograf: René Ruis