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11. Mai 2015

Eiskalt abserviert

Die «Bohne, Bluescht & Berger»-Autorin hats nicht so mit den Bauernregeln. Was ihr die Kalte Sophie Jahr für Jahr in Erinnerung ruft.

Flieder vereist
Mit besten Grüssen von der Kalten Sophie! (Bild: iStockphoto)

Kennt Ihr die Sophie? Nein, das ist kein weiteres Huhn, das im Bohnebluescht-Garten eingezogen ist. Sophie oder auch Sofia ist eine dieser frühchristlichen Märtyrer(innen), die im alten Rom ihr Leben lassen mussten. Was der Dame dermassen sauer aufgestossen sein muss, dass sie seither immer um den 15. Mai herum aus ihrem Grab steigt, um mit ihrem frostigen Atem meine frisch gepflanzten Setzlinge in Tiefkühlkost zu verwandeln.

Es ist ja nicht so, dass ich nicht vorgewarnt wäre: «Vor Nachtfrost du nicht sicher bist – bis Sophie vorüber ist», hiess es bereits bei den alten Bauern, von denen sich so mancher auch in meiner Ahnenreihe findet. Und trotzdem schaff ich es immer wieder, das Wissen meiner Altvorderen und damit die Sophie zu ignorieren. Bis sie sich ungnädig in Erinnerung ruft.

So erinnere ich mich beispielsweise mit Schaudern an Sophies Auftritt vor zwei Jahren, als ich drei (!) Mal Höckerli (für Nicht-Zürcher-Oberländer: Buschbohnen) stecken musste. Letzten Frühling wiederum musste ich mitten in der Nacht im Pyschi rausstürzen, um meine Tomaten-, Zucchetti und Kürbissetzlinge ins Haus zu retten. Das Thermometer war plötzlich ins Bodenlose gestürzt. Die kalte Sophie wird ihren Spass gehabt haben - und ich die kalten Füsse.

Wenigstens kann ich anders als einst meine Ahnen ins nächste Gartencenter fahren, um das, was Sophie eiskalt abserviert hat, zu ersetzen. Aber erstens verbrate ich mein Geld lieber für etwas noch nie Gekauftes (beispielsweise eine Beerenkiwi, die würde sich gut auf der Terrasse machen). Und zweitens tut es mir um all das Herzblut leid, das ein netter Gärtner in all meine Tomaten-, Zucchetti- und Kürbissetzlinge investiert hatte.
Die Kalte Sophie gibts tatsächlich
Sophie respektive ihr frostiges Tun ist übrigens statistisch belegt. Was aus diesen Messdaten aber auch hervorgeht, ist die Tatsache, dass sich die Dame nicht immer an ihren eigenen Kalender hält, sprich verspätet. Werdet also nicht grad überstellig, wenn sie bis am 15. Mai nicht vorbeigeschaut hat.
PS: In ein paar Wochen droht mit der sogenannten Schafskälte bereits weiteres Ungemach. Ein Kälteeinbruch, der meist um den 11. Juni herum bereits geschorene Schafe schlottern lässt. Falls Ihr also Schafe haltet, wartet mit dem Schären nicht nur die Kalte Sophie ab – es sei denn, Ihr wollt Euren vierbeinigen Rasenmäher Pullover stricken.
Habt Ihr Euch den 15. Mai dick in der Agenda angestrichen? Oder pflanzt Ihr schon früher in der Hoffnung, dass die Kalte Sophie Euer Grünzeug links liegen lässt? Outet Euch über einen Kommentar, oder erstellt einen eigenen Artikel inklusive Fotos.

Autor: Almut Berger