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11. Juli 2016

Eine Familie im OL-Fieber

Während andere Familien ihre Sommerferien am Meer oder in den Bergen verbringen, zieht es die Hutzli-Berlingers aus Wil SG an Orientierungsläufe – inklusive Opa und Oma. Dieses Jahr läuft die Familie an der Swiss-O-Week im Engadin.

Familie Hutzli-Berlinger am Orientierungslauf
Die «Hutzlingers» im Feld: Nathalie Berlinger, Martin, Risto, Janis, Silas und Annemarie Hutzli. (v.l.)

Australien, Finnland, Schweden, Norwegen, Italien, Frankreich, Grossbritannien, Deutschland und natürlich die Schweiz: In all diesen Ländern hat der 13-jährige Janis Hutzli mit seiner Familie schon Orientierungslauf-Ferien gemacht. Diesen Sommer geht es ins Engadin an zwei Mehrtage-Orientierungsläufe. Vom 9. bis zum 15. Juli ­feuert die Familie die Juniorinnen und Junioren an den Weltmeisterschaften an. Dazwischen nimmt sie an den Zuschauerläufen teil, und ab dem 16. Juli läuft sie an der Swiss-O-Week.

Mit von der Partie sind nebst Janis’ Bruder Silas (15) und den Eltern Nathalie Berlinger (45) und ­Risto Hutzli (50) auch die Grosseltern Martin (83) und Annemarie (80) Hutzli. Letztere wohnen im Hotel, der Rest der Familie mit den Mitgliedern ihres Klubs OL Regio Wil in einer anderen Unterkunft, trotzdem haben sie regen Kontakt.

Dass der Orientierungslauf (OL) ein Sport für die ganze Familie ist und die Hutzli-Berlingers sich dank ihm häufig sehen, schätzen alle Familienmitglieder. Zeit mit ihren Liebsten zu verbringen, ist für Grossmutter Annemarie ein wichtiger Grund, warum sie ihren Mann Martin oft an die Orientierungsläufe begleitet. Sie selber wandert lieber.

Auch die beiden Teenager Silas und Janis sehen nur Vorteile darin, dass alle Familienmitglieder OL-begeistert sind. Und Mutter Nathalie Berlinger sagt: «Dank der Orientierungsläufe ist unser Sonntagsprogramm meistens klar, und alle haben ihre Freude daran.»

Es braucht Beine und Köpfchen

Was ist eigentlich das Faszinierende an Orientierungsläufen? «Die Suche nach dem optimalen Lauf», betonen die Eltern. Jeder Lauf sei anders und abwechslungsreich. «Sich in der Natur bewegen», meinen die anderen Familienmitglieder, deren Antworten sich ähneln, «und das Zusammenspiel der Beine mit dem Kopf.» Mutter Nathalie sagt: «Um mich auf das Kartenlesen konzentrieren zu können, muss ich im Kopf frei sein.» Und Grossvater Martin ergänzt: «Dank der Karte weiss man zwar, wo der Posten sein muss. Aber wenn man ihn dann wirklich sieht, ist das jedes Mal ein Erfolgserlebnis.»

Familie Hutzli-Berlinger – auf dem Türklingelschild steht «Hutzlinger» – wohnt in Wil SG. Dort befindet sich auch das ­Zentrum ihres OL-Klubs, wo im Winter die Hallentrainings stattfinden. Nathalie Berlinger ist im Vorstand und verantwortlich für die Jugendbetreuung neben ihrem 50-Prozent-Pensum als Fachlehrerin. Vater Risto Hutzli ist im Finanzierungsmanagement tätig und engagiert sich im Klub als Revisor.

Der ältere Sohn Silas hat die Sportschule Appenzellerland besucht. Nach den Sommer­ferien startet für ihn der Unterricht an der United School of Sports in St. Gallen. Dort kann er eine kaufmännische Grundausbildung mit seinem Sporttraining verbinden. Dieses besteht aus ein bis zwei OL- und zwei Krafttrainings pro Woche.

Ambitionierte Brüder

Silas ist Mitglied des Nachwuchskaders Nordostschweiz und war für die Jugend-Europameisterschaften selektioniert, die Anfang Juli in Polen stattgefunden haben. Sein Bruder Janis ist seit diesem Jahr auch im Nachwuchskader. Er wechselt im August an die Kantonsschule Wil. Im SC Bronschhofen spielt er zudem Fussball. Die beiden haben das gleiche Vorbild: Daniel Hubmann, mehrfacher OL-Weltmeister und Klubkollege. «Er kann super nach Kompass laufen», sagt Silas mit leuchtenden Augen.

Die Grosseltern sind in Pieterlen BE daheim. Der Betriebswirtschafter und die gelernte Kindergärtnerin reisen diesen August nach Tallinn (Estland) an die Senioren- WM, an der Leute ab 35 Jahren teilnehmen können. «Dank den OL lernen wir viele Gegenden kennen», sagt Annemarie Hutzli. «Wir verbinden die OL-Ferien jeweils mit einem Kulturprogramm.»

Nächsten Sommer reisen die «Hutzlingers» nach Skandinavien in die OL-Ferien. Zuerst gibts eine Trainingswoche in Norwegen, dann gehts an den «O-Ringen»-Lauf in Schweden – ein Riesenanlass, an dem rund 18 000 Sportlerinnen und ­Sportler teilnehmen. Die Grosseltern werden dann allerdings nicht ­dabei sein. Sie bevorzugen kleinere Anlässe.

Autor: Martina Seger-Bertschi

Fotograf: Beat Schweizer