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29. Juli 2013

Ein Trennungsdrama

«Aber, gell, Hans — denk an die OL-Läuferin», ermahnt Anna Luna ihren Bruder. «Das alte Handy kommt nicht in den Ghüder …!» Und wir lachen uns zu viert einen Schranz. Hans darf fortan Mutters gebrauchtes Handy benützen, sein früheres war ohnehin seit Monaten defekt — nun muss es entsorgt werden. Und zwar, so mahnt eine Kampagne, nicht in den gemeinen Kehricht.

Hans’ Handy landet nicht im Kehricht.

Im Quartier lauern sie einem auf, am Bahnhof, in Trams und Bussen: Freundlich lächelnde Cervelatpromis, die auf Plakaten beteuern, den Müll korrekt zu trennen. Die schnelle Lara Gut trennt Konservendosen, der flugverrückte Bertrand Piccard Staubsauger vom Abfall; Fabienne Louves, die fürs Berühmtsein berühmt ist, entsorgt Energiesparlampen ordnungsgemäss, Tom Lüthi Pet-Flaschen; das hagere Model aus dem Aargau, dessen Name mir grad entfallen ist, bekennt, es schmeisse alte Toaster nicht einfach in den Güsel. (Ähm, kleine Frage: Der Slogan «Ich trenne alte Toaster vom Abfall» klingt ganz, als trenne besagtes Model sich öfter mal von einem Toaster. Wie häufig tut sie das — wöchentlich?) Und Orientierungslaufkönigin Simone Niggli-Luder trennt alte Handys vom Abfall, in Lausanne verkündete sie es uns von einer Plakatwand herab. Kommentar Anna Luna: «Wer hätte das gedacht?» Und dies ist nur das zweitblödeste Sujet, mit dem für richtiges Entsorgen geworben wird. Das blödeste ist dasjenige, in dem Steff la Cheffe uns wissen lässt: «Ich trenne alte Laptops vom Abfall.» Man wird mir entgegnen, es gebe tatsächlich Unbelehrbare, die dies unterliessen. Aber wenn, wird sich so einer auch mit viel Reklame nicht bekehren lassen.

Abfall-Sammelstelle
«Hans’ Handy landet nicht im Kehricht.»

Weshalb also die versammelte Prominenz als doof hinstellen? Denn das Arge ist ja, dass das Bekenntnis auf die Bekennerin zurückfällt. Es sieht aus, als wäre Steff la Cheffe so bescheuert, dass es für sie überhaupt eine Frage sei, ob man einen Laptop mir nichts, dir nichts in den Kehricht stopfen dürfe. Nun wissen wir aber, dass die in unserem Haushalt hoch geschätzte und oft zitierte Rapperin — «Ha ke Ahnig, ha ke Ahnig …» — viel zu schlau für diese Frage ist. Nein, nein, Hans’ Handy landet nicht im Zürisack. Wir warten, bis das E-Tram wieder an unserer Endhalteschlaufe steht — Elektromüll wird bei uns regelmässig abgeholt, prima Einrichtung —, und werden es dort abgeben. Oder im Laden. Wie wir überhaupt Glas und Altöl und Batterien und Karton und alte Kleider brav trennen.

Und vielleicht kennen Sie diese Selbstgerechtigkeit: Als sitzpinkelnder, ÖV-benützender und bachblütentröpfelnder Mülltrenner kommt man sich zuweilen so korrekt vor, dass man sich kleine Sünden erlaubt. Man verpflegt sich im McDonald’s Drive-Thru (mangels Auto taten wir das früher mit dem Veloanhänger, und für die Kinder wars der grösste Spass, hintendrin Chicken-Nuggets und Frites zu verzehren); man bäckt für ein «Hilfe, es ist schon fünf vor zwölf, und ich weiss noch nicht mal, was ich kochen soll»-Zmittag rasch tiefgekühlte Frühlingsrollen auf … und erntet erst noch Lob: «Hast du aber fein gekocht, Vati!» Und dass wir Kartoffeln — wissend, dass dies zehnmal mehr Energie verbraucht als die sparsamste Garmethode — gern im Ofen zubereiten, verschweige ich besser. Wobei, wer weiss … Vielleicht tut Frau Niggli-Luder das insgeheim ja auch?

Bänz Friedli (48) lebt mit seiner Frau und den ­beiden Kindern in Zürich.

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Autor: Bänz Friedli

Fotograf: Bänz Friedli