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07. September 2015

Rolf E. Brönnimann: Ein Schweizer ist bester Hotelier Deutschlands

Der Zürcher Rolf E. Brönnimann wurde in Deutschland zum Hotelier des Jahres gewählt. Sein Baby, das luxuriöse Budersand Hotel Golf & Spa auf Sylt, führt er mit unkonventionellen Ideen.

Rolf E. Brönnimann
Stets adrett gekleidet: Hotelier Rolf E. Brönnimann in «seinem» Budersand Hotel Golf & Spa auf Sylt. (Bild: zVg)

Sein Grossvater führte das Kurhaus Gyrenbad im Tösstal ZH, sein Vater den Gasthof Krone in Uster ZH und mehrere Betriebe in der Stadt Zürich. Nachkomme Rolf E. Brönnimann (59) ist seit 2012 Direktor des Luxushotels Budersand Hotel Golf & Spa. Das 5-Sterne-Haus befindet sich im Süden der Nordseeinsel Sylt, beliebt beim deutschen Jetset. Nun hat die Jury von «Rolling Pin», dem internationalen Fachmagazin für die gehobene Gastronomie und Hotellerie, den Zürcher zum Hotelier des Jahres in Deutschland gewählt.

Budersand Hotel Golf & Spa auf Sylt,
Das Budersand Hotel Golf & Spa auf Sylt ist die erste Adresse auf der Nordseeinsel. Ein Doppelzimmer mit Meersicht kostet ab 300 Franken pro Nacht. (Bild: zVg)

«Ich bin jetzt bald 60. Diese Auszeichnung war überfällig. Wenn ich dann auch noch einen Award für mein Lebenswerk erhalte, ist es Zeit abzutreten», sagt Rolf E. Brönnimann augenzwinkernd. «Aber im Ernst: Um eine solche Auszeichnung zu erhalten, braucht es die richtigen Eigentümer und tolle Mitarbeitende.» Die Wella-Erbin Claudia Ebert, die Eigentümerin des «Budersand», lasse ihm freie Hand.

Was den stets adrett gekleideten Brönnimann wirklich auszeichne, sei sein «Fingerspitzengefühl», urteilte die Jury. Er schreibe jede Geburtstags- oder Hochzeitskarte für seine Gäste des 77-Zimmer-Hotels mit einer persönlichen Widmung selbst, so Brönnimann. Manchmal sei er zwei Stunden pro Tag damit beschäftigt. Die Gäste werden vor Anreise kontaktiert, um herauszufinden, ob es noch offene Fragen gebe. Per SMS wünscht das «Budersand» eine gute Reise. «Der Ferienaufenthalt muss dann starten, wenn der Gast zu Hause abreist. Wir wollen anders sein, persönlich.» Dazu gehöre, dass das Bettmümpfeli täglich variiert: Einmal liegt auf dem Kopfkissen eine Handcreme, dann ein hausgemachtes Praliné oder ein Reinigungstuch für die Brille.

Brönnimann ist durch und durch Gastgeber. «Beim Frühstück gehe ich von Tisch zu Tisch. Der Kontakt ist mir wichtig, Guest Relation Sache des Chefs. Ich bin mehr als 50 Prozent der Zeit an der Front», sagt der Zürcher. «Genauigkeit, Sauberkeit und Zuverlässigkeit sind unsere Attribute.» Ein Prozent des Umsatzes investiert er in die Personalschulung. Das Hotel hat eine für die Insel hohe Zimmerauslastung von über 60 Prozent. Ein Doppelzimmer mit Meersicht kostet ab rund 300 Franken pro Nacht.

Golfplatz auf Sylt.
Zum Hotel gehört auch ein 18-Loch-Golfplatz. Die Platzreife schaffte Brönnimann erst im Mai 2014. (Bild: zVg)

Rolf E. Brönnimann sagt: «Ich habe meine Gäste und meine 140 Mitarbeitenden. Meine Freunde sind überall auf der Welt verstreut.» Als Schweizer sei er auf Sylt gut aufgenommen worden. Dort hat er erst letztes Jahr die Platzreife erreicht. Sein Hotel bietet einen Golfplatz mit 18 Löchern an.

Seine Karriere begann der in Uster ZH aufgewachsene, fünfsprachige Zürcher mit einer Kochlehre, da der Vater auf einer Berufslehre bestanden habe. Die erste Stelle trat er 1978 im «Storchen» in Zürich an. Von 1995 bis 1999 war er Geschäftsführer der Bürgenstock-Hotels, die er sogar kaufen wollte, «weil sie ein Kulturgut der Schweizer Hotellerie sind».

Das Vorhaben scheiterte. Brönnimann machte sich selbständig. Als Mitbegründer und Mehrheitsaktionär der SH Swiss Hospitality Group führt er in Stans NW eine eigene Firma. Noch heute reist er deshalb ein Mal pro Monat in die Schweiz. Die Aktiengesellschaft kümmert sich um Hotelneu- und -umbauten. Er habe laufende Projekte in der Schweiz, in Hamburg, Düsseldorf und sogar in der Mongolei. Für Hotelprojekte sei er auch schon in Oman, am Flughafen Zürich, in Südfrankreich, Istanbul, Kasachstan, Kroatien, Libyen und auf Mallorca unterwegs gewesen. Anfangs sei er monatlich 20 bis 25 Tage auf Achse gewesen. Da habe er sich schon etwas einsam gefühlt.

Vor ein paar Jahren wollte er kürzertreten. Doch 2006 hörte er vom Projekt des Hotels Budersand und arbeitete am Konzept mit. 2009 wurde das Lifestyle-Hotel eröffnet. «Ich führe es heute, als ob es mein eigenes Haus wäre.»

Autor: Reto E. Wild