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21. März 2016

Ein Päckli aus Fernost

Die Post belieferte Schweizerinnen und Schweizer im Jahr 2015 mit 2,5 Millionen Paketenaus China. Grund für diese Masse ist der Boom von Shopping-Apps wie Wish.

Schweizer Kunden kaufen via Handy Billigwaren
Immer mehr Schweizer Kunden kaufen via Handy Billigwaren aus China ein.

Bequem, einfach, günstig: Das sind vermutlich die wichtigsten Gründe, weshalb Schweizerinnen und Schweizer immer öfter Waren in China bestellen.
Shopping-Apps wie Wish erübrigen den Besuch von obskuren Websites mit chinesischen Schriftzeichen. Sie bieten stattdessen eine angenehme Benutzeroberfläche in deutscher Sprache und vermitteln zwischen europäischen Kunden und Händlern aus Fernost. Weil diese nicht direkt kontaktiert werden können, haben Käufer keine Sicherheit, ob der jeweilige Händler seriös ist oder nicht. Darüber hinaus fordert die App bei der Installation auf Android-Geräten zweifelhafte Berechtigungen wie zum Löschen von Dateien oder die Erlaubnis auf Kontakte und Kamera zuzugreifen.

blau-violettes Osterei (Osterwettbewerb)
blau-violettes Osterei (Osterwettbewerb)

«Abgesehen davon besteht bei der Nutzung solcher Apps keine Gefahr», sagt E-Business-Experte Thomas Lang. Es sei zwar möglich, dass ein bestelltes und bezahltes Produkt nicht geliefert wird, aber Reklamationsmails an den Wish-Kundendienst würden zuverlässig beantwortet, und der Betrag bei Zahlungen über den Dienst PayPal rückerstattet.
«Das hat zumindest bei einer Testbestellung von mir prima geklappt», so Lang zum Migros-Magazin.

Lieferkosten, Zölle und Piraterie

Die Qualität der gelieferten Produkte differiert stark. Thomas Lang rät insbesondere bei Elektronik zur Vorsicht, da die Kompati­bilität zum hiesigen Stromnetz und zu Originalgeräten (z. B. bei Ersatz­adaptern oder Kabeln) nicht immer gewährleistet sei. Auch bei Luxusmarken ist Vorsicht geboten: Wer eine Rolex für 70 Franken oder eine Louis-Vuitton-Tasche für  30 Franken bestellt, kann an­geklagt und verurteilt werden. «Marken­artikel, die zu Dumpingpreisen angeboten werden, sind selbst­verständlich gefälscht», sagt Lang.

Wie bei jeder Bestellung im Ausland müssen Käuferinnen und Käufer auch beim Wish-Shopping mit Zusatzauslagen rechnen.
Vor überraschenden Kosten für Zölle und Mehrwertsteuer ist man nur dann geschützt, wenn der Gesamtwert der Sendung 62 Franken nicht übersteigt.

Zwar müssen Schweizer Käufer auf die Lieferung aus Fernost zwischen drei und fünf Wochen warten, dafür ist diese schon fast unverschämt günstig. Sie kostet nämlich weniger als der Versand eines Päcklis von Zürich nach Lugano. Der Grund: Solche Postsendungen sind subventioniert, weil der Weltpostverband China als Entwicklungsland einstuft. «Das ist ein Ärgernis, weil es Onlinehändler aus der Schweiz massiv benach­teiligt», sagt Thomas Lang. 

Die Apps Geek, Home, Cute und Mama gehören wie Wish zur Firma Contextlogic Inc.

Autor: Reto Vogt

Illustrationen: Supertotto / 2Agenten