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02. April 2012

«Ein Kontroll-Handy ist mühsam»

Fünf Fragen an Andy Schär (57), Medienpädagoge an der Pädagogischen Fachhochschule Nordwestschweiz, zum Angebot von Pro Juventute, mit dem Eltern die Handynutzung ihrer Kinder steuern können.

Andy Schär (57)
Andy Schär (57), Medienpädagoge an der Pädagogischen Fachhochschule Nordwestschweiz.

Andy Schär, ab sofort können Eltern das Handy ihres Kindes sozusagen fernsteuern, indem sie im Voraus festlegen, wer zu welchen Zeiten angerufen werden darf und auf welchen Sites gesurft werden kann. Ist das von Pro Juventute lancierte Handy ein ideales Instrument für konfliktscheue, erziehungsfaule Eltern?

Nein. Gerade wenn so ein Handy angeschafft wird, setzt man sich unweigerlich Diskussionen aus. Und das ist gut so. Denn es ist weitaus weniger mühsam, wenn man dem Kind einfach ein Handy ohne Kontrollfunktion kauft und es dann mehr oder weniger unkontrolliert machen lässt.

Aber schränkt man mit so einem kontrollierten Handy die Privatsphäre des Nachwuchses nicht zu sehr ein?

Nicht grundsätzlich. Es wird ja nicht der Inhalt der Gespräche kontrolliert, sondern nur mit wem gesprochen werden darf.

Ab welchem Alter können Kinder an den Gebrauch des Handys herangeführt werden?

Untersuchungen zeigen, dass ab ungefähr neun, zehn Jahren die Mehrheit der Kinder ein Handy zur Verfügung hat. Oft war das bisher ein «Familienhandy», das ihnen nicht persönlich gehörte und das sie auch nur dann erhielten, wenn es wirklich nötig war, zum Beispiel wenn sie länger wegblieben oder Absprachen nötig waren. Ich finde das eine gute Übergangslösung, bis sie ein eigenes bekommen. Sollten Eltern das Pro-Juventute-Handy wählen, empfehle ich dieses für ein Alter von 9 bis 12 Jahren.

Wann ist es eigentlich Zeit für ein eigenes Gerät ohne Kontrollfunktionen?

Mit zwölf, 13 Jahren wird für die Jugendlichen die Clique immer wichtiger: Man möchte für die Kollegen erreichbar sein. Für Kinder dieses Alters kommt das Pro-Juventute-Angebot aber sowieso kaum mehr in Frage, dafür sind sie dann meist schon zu selbständig und gut vernetzt.

Wie können Jugendliche ohne «Fernsteuerung» lernen, verantwortungsvoll mit dem Mobiltelefon umzugehen?

Sinnvoll ist sicher ein Prepaid-Handy, um Kostenbewusstsein zu lernen. Und die Eltern sollten sich immer wieder mit den Jugendlichen auseinandersetzen, mit ihnen verhandeln und diskutieren, kurz: im Gespräch bleiben. Gleichzeitig muss der Teenager eigene Erfahrungen sammeln können, das geht nur ohne Vorzensur.

Mit dem Prepaid-Handy von Pro Juventute und Sunrise können Eltern festlegen, wen ihre Kinder anrufen und ob sie ins Internet dürfen («20 Minuten» vom 18. März).
Mit dem Prepaid-Handy von Pro Juventute und Sunrise können Eltern festlegen, wen ihre Kinder anrufen und ob sie ins Internet dürfen («20 Minuten» vom 18. März).

Den ganzen «20 Minuten»-Artikel vom 18. März zum Thema lesen Sie hier

Autor: Karin Aeschlimann