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30. November 2015

Ein König in 3-D

Bänz Friedli (50) über das Glück.
Bänz Friedli (50) über das Glück.

Eine meiner liebsten Geschichten über Elvis Presley ist diejenige, wonach … Wie bitte? Ich solle nicht schon wieder vom King anfangen? Aber hören Sie mal, es ist doch schon eine Ewigkeit her, seit wir es zuletzt von ihm hatten; mindestens drei Wochen. Also, eine meiner liebsten Elvis-Anekdoten geht so, dass der King hungrig war … 

Kolumnist Bänz Friedl (50).
Kolumnist Bänz Friedl (50).

Doch in jener Nacht mochte er nicht mehr ins «Gridiron» fahren, sein Stammlokal am Highway 51. Also ging er einfach zu Fuss die Strasse runter in den nächstbesten Imbiss, er mit seiner Haartolle, der Pilotenbrille, womöglich gar noch im strassbesetzten Jackett, weil er eben erst von einem Auftritt heimgekehrt war, und orderte einen Cheeseburger mit vier Käsescheiben, Tomaten, reichlich Speck und einer Prise Knoblauchsalz. Als er auch noch zu erklären anhob, wie er das Brötchen gern hätte, nämlich in heisser Butter geröstet und hernach mit Erdnussbutter bestrichen, wurde der Wirt fuchsteufelswild. «Wie ich euch Typen hasse!», schrie er Presley an, «schert euch zum Teufel und lasst den armen Elvis endlich in Ruhe!» Alles Protestieren half nichts, Presley und seine Begleiter wurden mit Schimpf aus dem Lokal gejagt. Denn der arme Kerl von Wirt, ein glühender Verehrer Elvis’, war schon so oft von falschen Elvissen heimgesucht worden – von Pilgern und Nachahmern, die hier, in unmittelbarer Nähe zur Graceland-Villa des King, als Elvis verkleidet lungerten und sich in der schäbigen 24-Stunden-Kneipe verpflegen wollten –, dass er nicht wahrhaben mochte, diesmal den wahren King of Rock ’n’ Roll vor sich zu haben. Er wollte sein Idol beschützen und jagte es zum Teufel.

Weiss eigentlich gar nicht, weshalb ich das erzähle. Vielleicht, um daran zu erinnern, dass die Dinge manchmal nicht so sind, wie wir vermuten. Der kleine Bub fällt mir ein, der letzthin in der Weihnachtsaufführung im Stadttheater, sobald sich der Vorhang hob, begeistert zu seinem Vater sagte: «Wow, das ist ja in 3-D!» Und überhaupt sollten wir bei all den Unbilden der Zeit nicht vergessen, unser kleines Glück wahrzunehmen, wenn es uns denn begegnet. «Irgendeinisch fingt ds Glück eim», sangen Züri West. Mag sein, aber man muss es dann auch noch zu begreifen wissen!

Und wen hat Superstar Adele vergangenes Wochenende von der Spitze der britischen Hitparade verdrängt? Ihn, Elvis Presley. Den echten. Immerhin 38 Jahre nach seinem Tod, stand er in England soeben für mehrere Wochen auf Rang eins der Charts. Das Album «If I Can Dream» enthält des Kings Stimme, neu untermalt vom Royal Philharmonic Orchestra. Ein bisschen sülzig, stellenweise, aber wunderbar gesungen. Denn: Niemand übertrifft das Original.

Die aktuelle Bänz-Friedli-Hörkolumne, gelesen vom Autor (MP3)

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Autor: Bänz Friedli

Fotograf: Bänz Friedli