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13. Februar 2012

Ein Japaner für alle Fälle

Der Nissan Qashqai zählt zu den beliebtesten Allroundautos der Schweiz. Wie gut sich der überarbeitete Kompakt-SUV im Alltag macht, überprüfte Lesertestfamilie Schneider aus Horgen am Zürichsee.

Familie Schneider mit dem Nissan Qashqai
Familie Schneider mit dem Nissan Qashqai: Marvin, Cedric, Cornelia und Peter (von links).

Als Beifahrerin kann ich wunderbar Sonne, Mond und Sterne gucken», verblüfft uns Cornelia Schneider (42) aus Horgen ZH mit ihrer Antwort, was ihr am erneuerten Nissan Qashqai gefalle. Es sind eben Dinge wie dessen grosses Panoramaglasdach, die man erst auf längeren Fahrten zu schätzen lernt. Familie Schneider will im Lesertest herausfinden, ob der geliftete und neu motorisierte Nissan zu Recht so populär ist.

Von Anfang an gefällt der Spielraumberaterin und ihrem Ehemann Peter Schneider (42) das Fahrgefühl. «Der Wendekreis ist klein, die Kurvenlage stabil und der Fahrkomfort angenehm», betont der Informatiker. «Seltsam, dass es viele Getränkehalter gibt, aber keinen geeigneten Platz für meine Handtasche», kommt Cornelia Schneider auf das Cockpit zu sprechen: «Ich kann meine Sachen schlecht erst in Flaschen füllen. Aber Scherz beiseite: Sonst ist alles prima.» Praktisch findet Cornelia die Bedienelemente am Lenkrad, die grossen, elektrisch anklappbaren Spiegel und die Rückfahrkamera. «Die zum Glück ohne Gepiepse von Parksensoren auskommt.»

Auf 800 Testkilometern erweist sich der an sich recht geräumige Japaner für die Familie mit den Söhnen Marvin (13) und Cedric (9) auf Dauer als doch zu knapp. «Von A nach B und zum Familienbesuch top — für zwei Wochen Ferien zu klein», bringt es Peter Schneider auf den Punkt: «Mit zwei kleinen Kindern geht es, für grössere Kids eher nicht.» Cornelia Schneider fügt an: «Uns erstaunt das, da der Qashqai uns mit seinem stimmigen Preis-Leistungs-Verhältnis schon lange gefällt. Er wirkt aussen grösser, als er ist. Aber der längere Qashqai +2 könnte passen.» Zumal der neue Dieselmotor mit 130 PS viel Lob bekommt. «Für einen 1,6-Liter läuft er knackig, die Motorleistung überzeugt — und während der Testwoche schafften wir im Schnitt sechs Liter auf 100 Kilometer», berichtet Peter Schneider. Noch fehlt das Stopp-Start-System (das ab März serienmässig ist). Den optionalen 4x4-Antrieb vermisst Familie Schneider übrigens nicht — es geht eben auch mit Frontantrieb.

Kritik gibt es an Details: «Die Heckklappe öffnet nicht hoch genug — das gibt Kopfweh, wenn man gross ist. Die Stütze der Motorhaube liegt weit hinten: Das macht Magenweh, wenn man klein ist», sagt Peter Schneider. Und seine Ehegattin ergänzt lachend: «Ich habe beim ersten Einstieg den Kopf am Türrahmen angeschlagen. So beginnt man eigentlich kein erstes Date. Aber danach habe ich es sehr genossen.» Cedric wird künftig die Leselampen im Fond ver­missen: «Das haben Mamis Mazda 626 und Papis Fiat nicht.» Und Marvin? Er bedauert nur, «dass wir das Auto zurückgeben müssen».

CO2-Richtwerte und -infos

Der CO2-Verbrauch des Nissan Qashqai 1.6 dCi 4x2

Im Jahr 2015 sollen Neuwagen in der Schweiz im Schnitt nur noch 130 g/km CO2 ausstossen. Geht man von einer kontinuierlichen Senkung des letzten ermittelten Wertes (2010: 161 g/km CO2) aus, bedeutet das für 2012 einen Richtwert von 149 g/km. Der Testwagen liegt mit 119 g/km CO2 sehr deutlich darunter.

Weitere Informationen zu unserem Bewertungssystem:

Das Bewertungssystem des Migros-Magazins für neue Personenwagen

Neues CO2-Emissionsgesetz

Bis 2020 sollen die Schweizer CO2-Emissionen gegenüber 1990 um 20 Prozent sinken. Per 1. Mai 2012 gilt in der Schweiz deshalb das revidierte CO2-Gesetz für neue Personenwagen. Angewendet wird es für alle neuen PW, die ab dem 1. Juli 2012 erstmals hierzulande immatrikuliert werden. Im Jahr 2015 dürfen die neuen Personenwagen im Schnitt maximal 130 g/km an CO2 ausstossen, was einem Norm-Gesamtverbrauch von etwa 4,9 Liter Diesel bzw. rund 5,6 Liter Benzin pro 100 Kilometer für Benziner entspricht. Für Gasantriebe gelten gesonderte Bestimmungen.

Überschreitung sanktioniert

Der Wert von 130 g/km CO2 wird stufenweise eingeführt. Im Jahr 2012 müssen ihn 65 Prozent der Neuwagen, 2013 dann 75 Prozent und im Jahr darauf 80 Prozent der neuen Personenwagen erfüllen. Erreicht ein Importeur den spezifisch für ihn anhand Zielwert und Gewicht errechneten Schnitt nicht, wird die Sanktionsabgabe fällig, zum Beispiel 142,5 Franken pro Gramm ab dem vierten Gramm (1 bis 3 Gramm sind vergünstigt).

Bewertung im Migros-Magazin

Die Bewertungsgrafik im Migros-Magazin geht zwecks anschaulicherer Einstufung der Fahrzeuge von einer kontinuierlichen Senkung aus. Die Grundlage dafür ist der letzte ermittelte CO2-Durchschnitt aller Neuwagen: 161 Gramm pro Kilometer im Jahr 2010 (die Werte für 2011 liegen noch nicht vor). Sinkt der CO2-Ausstoss bis zum angestrebten Ziel von 150 Gramm pro Kilometer im Jahr 2015 kontinuierlich, ergeben sich daraus unsere Zielwerte – wie etwa 149 Gramm pro Kilometer für 2012. Anhand dieses Wertes werden die von uns vorgestellten Autos im Migros-Magazin beurteilt.

Autor: Timothy Pfannkuchen

Fotograf: Oliver Lang