Archiv
04. Juni 2012

Ein ideales Paar: E-Bike und Sparauto

Nachdem Migros-Testfamilie Parent-Hurtienne letzten Sommer ihren Zweitwagen durch ein E-Bike ersetzt hat, bliebe nun etwas Budget für ein neues Auto übrig. Vielleicht für den jetzt getesteten Spar-Mercedes?

Yvonne Hurtienne
Statt mit dem Zweitwagen fährt Yvonne Hurtienne seit letztem Sommer mit dem günstigeren E-Bike. So bleibt mehr Budget fürs Familienauto – vielleicht für die getes
tete B-Klasse von 
Mercedes?

Die vierköpfige Familie Parent-Hurtienne wohnt in Gockhausen bei Zürich. Bis letzten Sommer nutzte sie als Familienauto einen VW Touran und als Zweitwagen einen VW Golf. Vater David (43) arbeitet in der Stadt Zürich und fährt mit dem ÖV. Mutter Yvonne (43) arbeitet ebenfalls in der Stadt. «Seit letztem Sommer gehen unsere Kinder Lou (9) und Mae (6) zu Fuss zur Schule», erklärt Yvonne Hurtienne. «Zuvor aber musste ich Mae jeweils mit dem Auto zum fünf Kilometer entfernt gelegenen Schulhaus chauffieren — und weil ich im Notfall schnell bei ihr sein wollte, fuhr ich täglich mit dem Auto zur Arbeit weiter.» Das ist nun nicht mehr nötig, deshalb ersetzte die umweltbewusste Familie ihr Zweitauto durch ein Elektro-Bike. «Genial», schwärmt Yvonne Hurtienne. «Damit bin ich in der City meist schneller unterwegs als zuvor mit dem Auto. Und den Zürichberg hoch bleibe ich fit, ohne mir dabei die Lunge aus dem Leib zu strampeln.»

Mit dem E-Bike bin ich in der City schneller als mit dem Auto.

Fürs Migros-Magazin wollte Familie Parent-Hurtienne aber prüfen, ob die neue Mercedes-B-Klasse eine Alternative für ihren mittlerweile achtjährigen VW Touran wäre. Optisch punktet der Mercedes mit seiner sportlichen Form bei unserer Testfamilie. Vater David bemängelt einzig das zu kleine Heckfenster: «Die Übersicht nach hinten ist dadurch nicht besonders gut.» Yvonne Hurtienne wünscht sich etwas mehr Stauraum: «Es ist zwar erstaunlich, wie viel man bei durchdachter Beladung in den Wagen bringt. Dennoch ist der Kofferraum für eine vierköpfige Familie, die in den Skiurlaub fahren will, zu klein. Da bräuchte man eine Dachbox.»

Bescheiden auf dem Papier – überaus munter in der Praxis

Yvonne und David Parent-Hurtienne mit ihren Kindern Lou (links) und Mae.
Yvonne und David Parent-Hurtienne mit ihren Kindern Lou (links) und Mae.

Gute Noten gibts für den Innenraum und die Sitze. «Genügend Bein- und Kopffreiheit und ein ausgezeichnetes Raumgefühl durch das Panoramadach», urteilt David Parent. «Als Orthopädin imponieren mir die vielfachen Verstellmöglichkeiten der Vordersitze, die eine angenehme und gesunde Haltung auch dank Unterstützung der Lendenwirbelsäule ermöglichen», sagt Yvonne Hurtienne. «Zudem», fügt sie an, «kann man während längerer Fahrten die Sitzposition durch elektrisches Verstellen einfach und sicher wechseln.» Auch die 1,8-Liter-Dieselmotorisierung begeistert unsere Familie. «Beeindruckend, dass die B-Klasse mit auf dem Papier wenig imposanten Leistungsdaten in der Praxis dennoch munter wirkt und dabei aber sparsam bleibt», sagt David Parent.

«Die B-Klasse ist wirklich klasse», lautet das Fazit unserer Testfamilie. Und könnte vielleicht schon bald den VW Touran ersetzen. «Die sportliche Gangart bei geringem Verbrauch und tiefem CO2-Ausstoss hat uns überzeugt», so David Parent. «Der Preis ist vielleicht etwas höher als beim Touran, dafür erhält man aber auch Mercedes-Qualität», ergänzt Yvonne Hurtienne. «Und dafür zahlen wir gerne etwas mehr.»

CO2-Richtwerte und -infos

CO2-Richtwerte: 116 g/km für den Mercedes-Benz B180 CDI Blue Efficiency.
CO2-Richtwerte: 116 g/km für den Mercedes-Benz B180 CDI Blue Efficiency.

Im Jahr 2015 sollen die Neuwagen in der Schweiz im Schnitt nur noch 130 g/km ausstossen. Geht man von einer kontinuierlichen Senkung des letzten ermittelten Werts (2011: 155 g/km) aus, bedeutet das für 2012 einen Richtwert von 149 g/km. Der Testwagen liegt mit 116 g/km bereits deutlich darunter.

Neues CO2-Emissionsgesetz

Bis 2020 sollen die Schweizer CO2-Emissionen gegenüber 1990 um 20 Prozent sinken. Per 1. Mai 2012 gilt in der Schweiz deshalb das revidierte CO2-Gesetz für neue Personenwagen. Angewendet wird es für alle neuen PW, die ab dem 1. Juli 2012 erstmals hierzulande immatrikuliert werden. Im Jahr 2015 dürfen die neuen Personenwagen im Schnitt maximal 130 g/km an CO2 ausstossen, was einem Norm-Gesamtverbrauch von etwa 4,9 Liter Diesel bzw. rund 5,6 Liter Benzin pro 100 Kilometer für Benziner entspricht. Für Gasantriebe gelten gesonderte Bestimmungen.

Überschreitung sanktioniert

Der Wert von 130 g/km CO2 wird stufenweise eingeführt. Im Jahr 2012 müssen ihn 65 Prozent der Neuwagen, 2013 dann 75 Prozent und im Jahr darauf 80 Prozent der neuen Personenwagen erfüllen. Erreicht ein Importeur den spezifisch für ihn anhand Zielwert und Gewicht errechneten Schnitt nicht, wird die Sanktionsabgabe fällig, zum Beispiel 142,5 Franken pro Gramm ab dem vierten Gramm (1 bis 3 Gramm sind vergünstigt).

Bewertung im Migros-Magazin

Die Bewertungsgrafik im Migros-Magazin geht zwecks anschaulicherer Einstufung der Fahrzeuge von einer kontinuierlichen Senkung aus. Die Grundlage dafür ist der letzte ermittelte CO2-Durchschnitt aller Neuwagen: 155 Gramm pro Kilometer im Jahr 2011. Sinkt der CO2-Ausstoss bis zum angestrebten Ziel von 150 Gramm pro Kilometer im Jahr 2015 kontinuierlich, ergeben sich daraus unsere Zielwerte – wie etwa 149 Gramm pro Kilometer für 2012. Anhand dieses Wertes werden die von uns vorgestellten Autos im Migros-Magazin beurteilt.

Autor: Raoul Schwinnen

Fotograf: Oliver Lang