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04. März 2013

Ein Hoch aufs Alter

Das überrascht: Die neuesten Zahlen des Bundesamtes für Statistik registrieren die grösste Lebenszufriedenheit bei älteren Menschen ohne Kinder.

Ältere Menschen sind glücklicher als junge.
Ältere Menschen sind glücklicher als junge. Sie 
haben gelernt, die Dinge 
so zu nehmen, wie sie sind. (Bild: iStockphoto)

Je älter, umso glücklicher. Vor allem wenn man einen festen Lebenspartner hat, aber keine Kinder. Das besagen die jüngsten Zahlen des Bundesamtes für Statistik. Es hat bei Schweizerinnen und Schweizern erhoben, wie sie ihre Lebensqualität einschätzen. Ist denn der Nachwuchs kein Quell fürs Lebensglück, zunehmendes Alter keine einzige Abwärtsspirale? «Nein», sagt der St. Galler Glücksforscher Mathias Binswanger (50). «Es ist nicht neu, dass wir mit zunehmendem Alter zufriedener sind.» Zufrieden sei man ebenso in jungen Jahren. In der Mitte des Lebens gebe es jedoch ein Wellental. «Man macht Karriere, hat Familie — und zu wenig Zeit für Dinge, die man auch noch gerne tun würde», erklärt Binswanger.

Mit zunehmendem Alter hat man wieder mehr Zeit — und wird auch realistischer: «Man kann sich abfinden mit dem, was ist.» So nimmt man zum Beispiel all die Werbebotschaften gelassener auf, die einem weismachen wollen, nur ewige Jugend und glatte Haut machten glücklich. Mathias Binswanger weiss, weshalb Kinder die Zufriedenheit kaum steigern: «Der Alltag mit Kindern ist oft stressig. Häufig arbeiten beide Ehepartner, der Nachwuchs diktiert einen zusätzlichen täglichen Rhythmus auf: Das Kind muss morgens und abends in die Krippe gebracht und wieder abgeholt werden», erklärt der Glücksforscher. «Das ist kein sehr lustiger Alltag.»

Je reicher ein Land wird, desto weniger passen Kinder in den Alltag, sie werden zum Stressfaktor. Nachwuchs bedeutet aber nach wie vor auch Glück, trotz allem Stress, den er bereitet: «Kinder geben dem Leben einen Sinn.» Doch Vorsicht: Kinder alleine machen unglückliche Menschen nicht glücklich. Der wichtigste Faktor für Zufriedenheit ist ein gut funktionierendes Sozialleben.

Autor: Claudia Langenegger