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02. August 2016

Eigenblut als Therapie

Körpereigenes Blut wird in der Sportmedizin und Orthopädie immer häufiger eingesetzt. Es kann die Heilung von beschädigtem Gewebe fördern.

Bei der Heilung von Sehnen, Bändern und Muskeln kann eine Spritze aus ­eigenem Blut helfen.
Bei der Heilung von Sehnen, Bändern und Muskeln kann eine Spritze aus eigenem Blut helfen. (Bild: Frank Rumpenhorst/Keystone)

Die Grundlage für das plättchenreiche Plasma (kurz PRP genannt) bildet das Blut des Patienten. Durch Zentrifugieren (Schleudern des abgenommenen Blutes) erhöht man die Konzentration der darin enthaltenen Blutplättchen sowie der im Plasma vorhandenen Wachstumsfaktoren.

Diese Substanzen fördern die Reparatur oder Regeneration von beschädigtem Gewebe. Daher geht man davon aus, dass eine Eigenblutspritze mit angereicherten Blutplättchen die Heilung einer gerissenen Sehne oder eines gezerrten Muskels beschleunigen kann.

Glaubt man Werbeprospekten, hilft plättchenreiches Plasma zudem auch gegen Falten, Haarausfall oder Aknenarben. Doch wie sieht die Studienlage aus?

Studien belegen keine Wirkung

Der erste Kritikpunkt von Experten ist die Tatsache, dass für die Einführung körpereigener Blutprodukte – im Gegensatz zu neuen Medikamenten – kein medizinischer Wirknachweis erforderlich ist. Lediglich die ­Sicherheit des Produkts muss von den entsprechenden Arzneimittelbehörden belegt werden.

Das zweite Problem: Die Aussagen zu den verschiedenen durchgeführten Studien über plättchenreiches Plasma sind sehr unterschiedlich. Einige Studien zeigen einen Nutzen, doch die meisten sehen keinen Vorteil.
Beispielsweise berichteten niederländische Forscher 2014 im Ärzteblatt «New England Journal of Medicine», dass eine Eigenbluttherapie bei Muskelverletzungen nichts bringe. Oder im gleichen Jahr eine Übersichtsarbeit der «Cochrane Collaboration», eines unabhängigen globalen Ärztenetzwerks: Hinsichtlich Schmerz und Funktion bringe die PRP keinen Vorteil gegenüber anderen oder gar keiner Therapie.

Das Problem dieser Studien liegt darin, dass PRP kein standardisiertes, sondern ein individuelles Produkt ist, das je nach Herstellungsmethode eine andere Zusammensetzung hat.
Deshalb sieht die Alltagserfahrung in der Praxis etwas anders aus. Bei genauer Diagnose und bereits durchgeführten konservativen Therapiemassnahmen (Physiotherapie, Traditionelle Chinesische Medizin etc.) habe ich bei Sehnenverletzungen und -entzündungen gute Erfahrungen mit Eigenblutspritzen gemacht.

Dabei muss man die Patienten aber immer gut aufklären: Eine Sehnenheilung dauert auch nach einer Eigenbluttherapie je nach Diagnose 4 bis 6 Wochen. Vor einer allfälligen Operation oder einer Cortisonspritze, die ich in eine Sehne aufgrund der Reissgefahr nie empfehlen würde, ist eine Therapie mit plättchenreichem Plasma aus meiner Sicht in Erwägung zu ziehen.

Mehr Infos:; Biomet , Arthrex

Autor: Patrik Noack