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05. Oktober 2015

Eier

Für Zwillinge brauchts einen «richtigen» Mann
Für Zwillinge brauchts doch einen «richtigen» Mann ... (Bild: iStockPhoto)

Der Schweizer Durchschnittsmann zeugt in seinem Leben ein bis zwei Kinder, in der Regel zeitversetzt. So hat es das Bundesamt für Statistik errechnet. Wie genau das Ganze vonstatten geht, muss ich Ihnen nicht erklären, gell? Es gehören zwei dazu, es ist eine banale Angelegenheit, in wenigen Sekunden erledigt. 38 Wochen später kommt dann ein Baby zur Welt.

Manche Kerle (und deren Spermien) schwimmen aber bewusst gegen den Trend an und zeugen gleich mehrere Kinder auf einmal. So wie mein Kollege Röbi, der es tatsächlich geschafft hat, seine Gemahlin doppelt zu schwängern. Rums-Bums!, ein Schuss, zwei Treffer. Von so einer Traumquote träumt jeder Fussballtrainer. (Ob Röbis Frau ähnlich euphorisch war, als ihr die Gynäkologin die freudige Nachricht überbrachte, ist nicht überliefert.)
Seit Kurzem wissen die beiden auch, dass es zwei Buben sind. Geht es noch männlicher? Wohl kaum. Logisch, dass der werdende Vater im Bekanntenkreis zum Superhelden avanciert ist. Egal, wohin er kommt, egal, wen er trifft, alle interessiert vor allem eines: Wie er das gemacht hat. (Zumal er nicht wirklich wie ein Testosterongott wirkt. Eher wie ein zerknautschter Teddybär, aber das muss unbedingt unter uns bleiben.)

Röbi kann nur verlegen mit den Schultern zucken. Die Angelegenheit ist im peinlich, tief in seinem Herzen glaubt er an die Gleichberechtigung der Geschlechter. Seine Gemahlin habe auch ihren Teil dazu beigetragen, gibt er immer wieder zu bedenken. Das interessiert keine Sau. Röbi, der Zuchtbulle. Das Umfeld johlt und feiert seine Potenz.

Wie sich nun herausgestellt hat, sind die Buben zweieiig. Heisst, am Anfang gab es zwei gigantisch grosse Eizellen, die den Eileiter gewissermassen verstopften. Heissluftballons im Hausflur.
Ein heranwuselndes Spermium erfasste die Situation, schluckte hörbar und rief seinen Kollegen im letzten Moment noch zu: «Ausweichmanöveeeer!» Doch da war es schon zu spät.
Der Mythos vom Zuchtbullen könnte jetzt wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen. Tut er aber nicht. Röbi ist und bleibt der Zwillingsmacher, der Besitzer hyperaktiver Kampfspermien.
Merke: Wer einen Elefanten mit Reis bewirft und trifft, ist ein Superheld.

Autor: Bettina Leinenbach