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23. Mai 2016

Ehrenamt mit Pflichten

Gotte oder Götti sein ist eine schöne Aufgabe. Sie verlangt aber auch ein gewisses Engagement. Darum beginnt sie mit einem offenen Gespräch – und klaren Vorstellungen. Und wie wählen Sie die Patin oder den Paten aus? Stimmen Sie rechts ab, unten finden Sie die drei häufigen Motivationen.

Paten: wichtiger Platz im Leben
Paten nehmen einen wichtigen Platz im Leben eines Kindes ein.

Die kleine Selina ist aufgeregt: Gleich wird Götti Urs sie abholen. Sie wollen in den Zoo gehen. Die beiden unternehmen oft etwas zusammen.

Vorbei sind die Zeiten, Als Gotte und Götti ihre Pflicht erfüllt sahen, wenn sie ein Konto fürs Patenkind einrichteten und an Weihnachten und Geburtstag Geschenke brachten. «Heute steht die Beziehung im Vordergrund: Paten sind häufig Anlaufstelle für ein Kind», sagt Barbara Wüthrich (41), Elternberaterin bei Pro Juventute.

Paten nehmen einen wichtigen Platz im Leben eines Kindes ein. Die Wahl will also gut überlegt sein: lieber ein enger Verwandter oder ein guter Freund? Soll eine Freundschaft zementiert werden? Sollte es ein junger Götti sein oder jemand mit einem anderen Lebensstil? «Es ist wichtig, dass die Eltern ihre Erwartungen offen mitteilen und dass potenzielle Paten sich der Verantwortlichkeiten bewusst sind.»
Insbesondere gilt es zu überlegen, ob man die langfristige Verpflichtung eingehen will. «Lieber ein ehrliches Nein als ein halbherziges Ja», sagt die Expertin.

Realistische Ziele setzen

Viele Gotten und Göttis plagt ein schlechtes Gewissen, wenn sie nicht so viel Zeit mit dem Kind verbringen können, wie sie möchten. Deshalb sollten Paten wie Eltern realistisch bleiben und nicht zu hohe Erwartungen stellen.

Sind die Grundsätze einer Patenschaft einmal geklärt, steht einer erfreulichen Paten-Kind-Beziehung nichts mehr im Weg.
Barbara Wüthrich: «Es ist eine Ehre, Gotte oder Götti sein zu dürfen. Man darf sich darüber freuen und das Patenkind auch verwöhnen!» 

Was erwarten Sie von Gotte und Götti?

Die Interessen an einer Patin oder einem Paten gehen je nach Eltern stark auseinander.
Am häufigsten sind wohl die drei folgenden Modelle – welches haben Sie als Eltern gewählt (stimmen Sie rechts ab)?
Oder haben Sie eine andere Motivation bei der Patenwahl? Dann verraten Sie sie in einem Kommentar (unten).

1. Beziehungsstütze fürs Kind
Gotte oder Götti soll eine Beziehung zum Kind aufbauen, es mehrmals pro Jahr sehen, sowohl mit Kind und Eltern wie auch (nach dem Kleinkindalter) ohne Eltern etwas zusammen unternehmen. Im Idealfall sucht das Kind gar den Kontakt zu Gotte/Götti, wenn es über etwas Wichtiges nicht («nur») mit den Eltern sprechen mag.
Kurz: Paten sollen eine möglichst wichtige erwachsene Bezugsperson werden, mit dem dennoch nicht dieselbe Nähe (und Spannung!) besteht wie mit Mutter oder Vater. Das bedeutet auch, dass Eltern diese Person genügend kennen und ihren wichtigsten Wesenszügen und Ansichten vertrauen wollen. Deshalb will die Wahl gründlich überlegt sein.

2. Freundschaftsbeweis für Erwachsene
In diesem Fall halten die Eltern die Wahl der Patin oder des Paten für nicht (ganz) so entscheidend. Wenn sie/er sich bisweilen interessiert, sich unregelmässig zeigt und nicht gerade das Geburtstagsgeschenk vergisst, dann reicht es. Mehr ist eine willkommene Überraschung und stellt sich vielleicht im Optimalfall ein. Sehr häufig wird die Ernennung zu Gotte/Götti anfangs zum Freundschaftsbeweis unter Erwachsenen.

3. Möglicher Ersatz für die Eltern
Für einige Eltern dienen Paten tatsächlich noch immer dem ursprünglichen Zweck im Lebensumfeld von Kindern, wie noch vor über einem halben Jahrhundert: Es sollen derart vertrauenserweckende, im Umgang mit Kindern gewandte Personen (meist selbst mit Familie!) sein, dass sie im schlimmsten Fall für das Patenkind sorgen könnten, wenn den Eltern etwas zustösst (Todesfall, schlimmer Unfall etc.) oder die Familie aus anderen besonderen Gründen auseinanderfallen sollte. Auch die Lebens- respektive finanzielle Basis soll dies streng genommen erlauben können. Klar ist in heutiger Zeit auch, dass einige Anforderung des ersten Modells (Beziehungsstütze) hier mit hineinspielen. Idealerweise sollte das Kind die neue Familie ja nicht gleich von null auf kennenlernen müssen.

Autor: Priska Plump