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29. Juni 2015

E-Bikes auf Wanderwegen

Der Markt mit E-Mountainbikes boomt. Auch in den Bergen werden strombetriebene Velos immer beliebter – zum Ärger vieler Wanderer. Was ist Ihre Meinung?

Ist es vorbei mit der Bergidylle?
Ist es vorbei mit der Bergidylle? (Bild: Stefan Hunziker/Keystone)

Man glaubte, das Problem im Griff zu haben: 2010 setzten sich Vertreter der Schweizer Wanderwege, Swiss Cycling und weitere Betroffene zusammen und erstellten das sogenannte Koexistenzpapier für ein «rücksichtsvolles Mit- und Nebeneinander von Wandernden und Moutainbikefahrern» auf dem Wanderwegnetz.

Doch jetzt rollt neues Ungemach an: E-Moutainbikes, von -denen allein im vergangenen Jahr 13 000 Stück verkauft worden sind. Noch ist erst ein Bruchteil dieser elektrischen Offroad-Velos auf den bei Wanderern und Bikern gleichsam beliebten Pfaden unterwegs. Präventiv fordert der Basler CVP-Nationalrat Markus Lehmann den Bundesrat in einer -Motion auf, gesetzliche Vorschriften zur Benützung von E-Bikes auf Wanderwegen, Alpstrassen und in Naturreservaten zu erlassen.

Tatsächlich gibt es eine Grau-zone. Für die Regeln auf den Wanderwegen sind die Kantone zuständig. In deren Gesetzen sind die Bikes meist nicht explizit erwähnt. Oft ist Velofahren auf für Fahrräder geeigneten Wegen erlaubt. Was aber «geeignet» genau heisst, darüber gehen die Meinungen auseinander. Für Biker sind -gerade die technisch anspruchsvollen Pfade interessant.

Michael Roschi, Geschäftsführer von Schweizer Wanderwege, hält derzeit nichts von einem -Verbot, lehnt jedoch die E-Bikes mit Tretunterstützung von über 25 Kilometer pro Stunde auf dem Wegnetz der Wanderer ab. Damit vertritt er eine liberalere Haltung als manch ein Biker, der ohne Strom unterwegs ist.

«Biker sollten sich bemerkbar machen und Wanderern den Vortritt überlassen»

Michael Roschi, Geschäftsführer Verband Schweizer Wanderwege.
Michael Roschi, Geschäftsführer Verband Schweizer Wanderwege.

Michael Roschi, es kommen immer mehr E-Mountainbikes auf den Markt. Empfiehlt es sich, die Wanderer proaktiv vor diesen zu schützen?

Es ist sicher sinnvoll, die Entwicklung im Auge zu behalten. Für ein Verbot möchten wir uns aber zu diesem Zeitpunkt nicht aussprechen.

Warum nicht?

Weil wir eine andere Strategie verfolgen. Und auch, weil wir selber ein Verbot weder erlassen noch durchsetzen können. Für die Gesetzgebung sind der Bund und die Kantone zuständig.

Mountainbikes fahren im Graubereich auf den angestammten Wegen der Wanderer: Was ist Ihr Lösungsansatz für diesen Konflikt?

Die Wanderwege werden heute von über 80 Prozent der Bevölkerung für ihre vielfältigen Aktivitäten genutzt. Für die Abstimmung mit den Bikern setzen wir auf das Koexistenzpapier, das wir gemeinsam mit Swiss Cycling, Schweiz Tourismus, dem Bundesamt für Unfallverhütung und weiteren involvierten Organisationen entwickelt haben.

Koexistenz: Das heisst, sowohl Wanderer als auch Biker haben eine Daseinsberechtigung auf den Wanderwegen?

Wir gehen davon aus, dass Wanderer und Biker oft reibungslos aneinander vorbeikommen. Wo Wege stark genutzt werden, setzen wir uns allerdings für eine Entflechtung ein. Das heisst, man führt die beiden -Nutzergruppen auf stark genutzten Abschnitten über unterschiedliche Pfade. Dies ist im Interesse beider Parteien. Wege, die von Wanderern stark benützt werden, sind für Biker nicht attraktiv.

Man hört aber immer wieder von Wanderern, die sich über Biker -aufregen.

Es braucht Toleranz, von beiden Seiten. Im Koexistenzpapier geben wir Empfehlungen zum Verhalten ab. Biker sollten sich rechtzeitig bemerkbar machen, am Wegrand anhalten und den Wanderern den Vortritt lassen. Zudem sollten sie moderat bremsen, um die Wege zu schonen. Wanderer hingegen sollten Biker -passieren lassen, ohne ihre Fahrt unnötig zu behindern. Sind für die beiden Nutzergruppen unterschiedliche Wege ausgeschildert, müssen sich sowohl Biker als auch Wanderer an die Signale halten.

Können Biker auf das Koexistenzpapier verweisen, wenn sich ihnen auf dem Pfad ein Wanderer in den Weg stellt?

Nein, das Positionspapier ist eine Empfehlung und hat keine Rechtsgültigkeit.

Geht die Empfehlung auch auf die E-Bikes ein?

Wir unterscheiden zwischen E-Bikes mit schwacher und starker Leistung. E-Bikes mit einer Tretunterstützung bis zu 25 Kilometer pro Stunde behandeln wir den gesetzlichen Bestimmungen entsprechend als gewöhnliche Mountainbikes. In diesem Fall gelten die Empfehlungen des Positionspapiers. Die Benützung von E-Bikes mit einer Tretunterstützung über 25 Kilometer pro Stunde hingegen lehnen wir auf den Wanderwegen ab.

Wenn Sie könnten, würden Sie sie aber verbieten?

Ich weiss gar nicht, ob das momentan notwendig ist. Mir persönlich ist noch nie ein E-Bike auf einem Wanderweg begegnet. Wir appellieren an den gesunden Menschenverstand und die Toleranz.

Ihre Haltung ist recht liberal. Sie könnten als Vertreter der Wanderer auch darauf pochen, dass ein Wanderweg eben ein Wanderweg und kein Biketrail ist.

Als Vertreter der Wanderer in der Schweiz setzen wir uns für deren Interessen ein. Die Wanderwege gehören allerdings nicht uns.

Autor: Andrea Freiermuth