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17. Dezember 2012

Dylan, dein Bob!

Bänz Friedli glaubt, er höre nicht recht.

Auf dem Gurten ob Bern, vorigen Sonntag, beim Schlitteln. Ein kleiner Junge lässt aus Versehen seinen Bob davonschlittern; worauf die Mutter warnend ruft: «Dylan, dein Bob!» Die Mutter sei sich der unfreiwilligen Komik nicht bewusst gewesen, vermutet Freund Philip, der mir die Episode berichtet hat. Manchmal denkt man halt, man höre nicht recht …
Und Susi vom Urnersee meinte, sie sähe nicht recht, als eine Freundin sie per SMS bezichtigte, sie sei «kleiner als drei». Hä?! Sollte sie — eben vierzig geworden — sich etwa beschimpfen lassen, sie sei kindisch? Susi war hässig. Bis sie aufgeklärt wurde, die Zeichenfolge <3 in Kurzmitteilungen bedeute dänk ein Herzchen — also so ziemlich das Gegenteil einer Beschimpfung.

Bob, aber nicht Dylan
Bob, aber nicht Dylan: «Du liebe Zeit! Was für Versprecher!»

Gemach, liebe Susi! In der Ei-Lege-Zeit, in der wir uns gerade befinden, wird halt so manches falsch verstanden. Hausmann Claude schrieb mir, er habe als Kind, wenn der Advent nahte, stets gehört, jetzt beginne dann die Ei-Lege-Zeit, und sich gefragt, ob das nicht eher an Ostern der Fall wäre. Die Eltern sagten freilich nicht «Ei legi Zyt», wie er verstand, sondern «heilegi Zyt». Du liebe Zeit! Was für lustige Versprecher und Verhörer mir wieder hinterbracht wurden. Wenn ein Mädchen, wie mir zugetragen, lauthals singt: «Mir sy d Söhn vom Mage-Darm», ist dies doppelt falsch, denn sie ist ja kein Sohn, sondern eine Tochter, und sie hat Peter Rebers Refrain «Es sy d Chinder vom Kolumbus, d Söhn vom Magellan» missverstanden.
Nathalie wunderte sich, weshalb ihr fünfjähriger David dauernd «Süde vo Champignon, lah mi dusse, lah mi dusse!» sang. Die Melodie kam ihr bekannt vor, und bald stellte sich heraus: Er meinte «Sur le pont d’Avignon l'on y danse …» Und wenn wir schon dabei sind: Sie hätten in der Schule «eine Bombe» gesungen, berichtete eine Erstklässlerin ihrer Mutter, «oder ämu öppis, wo chlepft …» Es muss ein Kanon gewesen sein. Bald darauf wollte das Mädchen wissen: «Kann man mit einem Rösslein wirklich schreiben?!» Die Lehrerin hatte angekündigt, die Kinder würden in der zweiten Klasse einen «Fülli» erhalten. Und «Fühli», Berndeutsch für Fohlen, hört sich halt ähnlich an wie «Fülli» — Füllfederhalter.

«Du liebe Zeit! Was für Versprecher!»

Darf ich unter uns Sitzpinklern noch den loswerden? Weil bei ihnen daheim die WCs und Lavabos wie vielerorts mit «Laufen» angeschrieben sind, fragte ein Bub verstört: «Papi, wieso steht da ‹laufen›, wenn man doch absitzen soll?» Erstklässler Remo aus Bönigen wollte im Sommer unbedingt fischen gehen. Ob man den Fisch dann töten müsse, wenn man ihn an der Angel habe, fragte er. Die Mutter bejahte, er aber befand: «Das mach i de nid! I warte de lieber, bis er ertrinkt.» Und hier noch der Tipp für Ihre Last-Minute-Weihnachtseinkäufe: Shoppen Sie nicht in der Stadt!, stellte der achtjährige Julian doch, als er letzthin in der Zeitung all die Aktionspreise für Spielzeug erblickte, begeistert fest: «Wow, wir müssen auf dem Land einkaufen gehen, dort ist alles viel billiger!» Mutter Judith brauchte einen Moment, bis ihr klar wurde, was er meinte — überall stand geschrieben: Fr. 99.00 statt Fr. 139.00.

Was übrigens den grossen Bob betrifft, den Dylan, gehört sein «Soon After Midnight» zu meinen liebsten Songs des Jahres. Aber das wollten Sie vermutlich gar nicht wissen.

Bänz Friedli (47) lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern in Zürich.

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Autor: Bänz Friedli

Fotograf: Bänz Friedli