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05. September 2016

Dünen

Der Sandkasten und seine Folgen
Der Sandkasten und seine Folgen (Bild: Getty Images).

Ich hatte es gesagt. Mehrmals. Doch aus irgendeinem Grund war meine Botschaft nicht bei den Kindern angekommen.
Darum zogen sich die beiden nach dem Tag im Sandkasten nicht (wie angeordnet) auf dem Sitzplatz bis auf die Unterwäsche aus. Nein, die beiden stampften munter in ihren Sändeliklamotten in die Wohnung.

Das erlebte ich glücklicherweise nicht live mit, sondern erfuhr es später aus zweiter Hand. Nein, während meine Herzenskinder die Wohnung panierten, stand ich draussen bei den Nachbarinnen und schwatzte.
Als ich damit fertig war, wunderte ich mich kurz. Wo hatten Ida und Eva nur ihre Kleiderhaufen hingelegt? Der Gedanke war allerdings flüchtig. Ich streifte also meine Schuhe ab, stiess die Fliegengittertür auf und betrat die Stube.

Als mein rechter Fuss das geölte (!) Parkett betrat, wähnte ich mich beim Beachvolleyball. Ich sank ein, es knirschte und ich fluchte. Wo waren die Sandklamotten? Und noch wichtiger: Wo waren meine beiden Beachvolleyballerinnen? (Kurzer Einschub: Ich kapiere nun endlich, warum die Ladys bei Olympia fudiblutt auftreten. Die wollen später nicht so viel Sand im Hotelzimmer.)

Just in dem Moment hörte ich Ida jauchzen: «Eva, guck, in meinem Hosenumschlag ist noch mehr», liess sie ihre Schwester wissen und schlug ein schiefes Rad vom Kinderzimmer Richtung Flur. Zumindest glaube ich, dass es ein Rad war, aber meine Sicht war minimal eingeschränkt (Sandsturm!).

Nachdem ich einen Beduinenschrei ausgestossen hatte, packte ich die immer noch bekleideten Kinder an den Ohren und stellte sie in die Badewanne. Abziehen, zwei Kubikmeter Wasser verschwenden, bis der Dreck den Abfluss runtergegurgelt ist, baden.

Während die Sandflöhe planschten, begann das grosse Wischen. Aber immer, wenn ich glaubte, es geschafft zu haben, rutschte ich erneut auf Rollsplitt aus. Die Körnchen waren überall. Nach einer Ewigkeit gab ich den Kampf auf. Was jetzt noch übrig war, durfte bleiben.

Da rief es aus dem Bad: «Upsi, Mami, bei uns gabs leider eine kleine Riesenwelle.»

Autor: Bettina Leinenbach