Archiv
03. November 2014

Druck aus dem Web

Perfekte Selfies, aufregende Erlebnisse, idealisierte Wirklichkeit: Die geschönte Welt im Web setzt Jugendliche unter Druck. Tipps, wie man Selbstwertverlust vermeidet.

Frau macht Selfie vor dem Spiegel
Untaugliche Vorbilder: Fotos im Internet sind oft geschönt und kein Abbild der Realität. (Bild: Pro Juventute)

Mit Photoshop geschönte Selfies, gestellte Partyfotos, Posts vom Kurztrip an den Traumstrand: Soziale Medien wie Facebook vermitteln oft Bilder eines perfekten Lebens der Online-Freunde. Die geschönten Wirklichkeiten attackieren das Selbstbewusstsein der Jugendlichen und provozieren Selbstzweifel mit teils gravierenden Folgen wie Depressionen, Ängsten und Essstörungen. Die neue Kampagne «Echtes Leben» von Pro Juventute macht dies zum Thema.

Tipps zur Stärkung des Selbstwertgefühls in der geschönten Online-Wirklichkeit gibt Moana Crescionini (32), Beraterin bei der Notrufnummer 147 von Pro Juventute: «Ich rege Jugendliche an, sich zu überlegen, was sie besonders gut können, und es auf einen Zettel zu schreiben.» Das können Fähigkeiten sein wie Klavierspielen und Zeichnen oder Charaktereigenschaften wie Hilfsbereitschaft und Mitgefühl. «Zur Ergänzung dieser Liste lohnt es sich, gute Freunde oder die Familie zu befragen und sich so bewusst zu machen: Persönlichkeit ist so viel mehr als ein hübsches Gesicht oder eine perfekte Figur», sagt Crescionini. Ebenfalls hilfreich sei, den Blick auf andere Jugendliche zu richten. «Ich frage, was sie an ihrer besten Freundin am meisten schätzen. Damit versuche ich ihnen aufzuzeigen: Jeder Mensch hat positive Seiten, die ihn einzigartig und liebenswert machen.»

Gepostete Bilder sind sehr häufig mit Filtern bearbeitet, auch das erklärt Moana Crescionini den Ratsuchenden: «Es ist mir wichtig, bewusst zu machen: kein Mensch ist perfekt, auch wenn es auf Fotos manchmal so aussehen mag. So versuche ich, den Druck zu reduzieren, unter dem Jugendliche oft stehen.»

Infos und Unterstützung finden Jugendliche, Eltern und Lehrpersonen auf den Merkblättern unter projuventute.ch/echtesleben

Autor: Daniel Schifferle