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25. November 2013

Drei Wege zum entspannten Einkauf mit Kind

Einkaufen mit Kindern ist oft ein Riesenstress: Die einen Eltern setzen auf klare Ansagen mit einem Schuss Autorität, andere auf Belohnung, dritte auf mehr oder weniger smarte Bestechung. Die Optionen mit ihren Vor- und Nachteilen im Überblick – welche Methode wenden Sie an?

Alle Mütter und Väter von Kindern bis ins erste Schulalter kennen die im Migros-Magazin vom 25. November 2013 geschilderte Ausgangssituation: Man schleppt die Kleinen durchs Einkaufszentrum, mit dem hehren Ziel, den Wocheneinkauf möglichst effizient an die Kasse und schliesslich mittels Auto oder öffentliche Verkehrsmittel nach Hause zu schaffen. Bloss deckt sich die Absicht höchst selten mit den Interessen des Nachwuchses. Der will entdecken, spielen – und bisweilen auch einkaufen, aber sicher nicht dasselbe! Manchmal rennt er davon, weil er etwas Bestimmtes gesehen hat und unbedingt anschauen will. Oder er quengelt bereits generell, weil man irgendwann begonnen hat, seinen Shoppingpfad mit Kind ohne Rücksicht auf dessen Wünsche fortzusetzen. Einfach weil sonst nie ein Ende naht oder am Einkaufsprogramm grössere Abstriche drohen.

Je nach Lebens- und Wohnsituation, Alter und Temperament der Kinder und dem Erziehungsstil kommen für Eltern natürlich nicht alle der folgenden Optionen in Frage. Dennoch fällt auf, dass sich die meisten Eltern in grösseren Läden für eine dieser Methoden entscheiden. Mit höchst unterschiedlichem Erfolg.
Migrosmagazin.ch verkürzt sie auf die Grundidee und verrät ihre grössten Chancen und Risiken:
0. Die Verweigerer
Diese Elterngruppe macht es sich möglichst einfach. Sie geht wenn irgend möglich nie mit den Kleinen einkaufen. So kommt man effizient voran und hat dabei seine Ruhe – vielleicht abgesehen von Störaktionen der Kinder anderer «Shoppingopfer». Böse Stimmen mögen anfügen, auf diese Art werde kein Problem behoben, einzig das Ziel (entspanntes Shopping mit Kind) abgeschafft.

Vorteil: Kein Zeitverlust droht. Es finden kaum ungeplante Einkäufe (oder bloss solche für die Eltern selbst!) statt. Verzicht auf Auseinandersetzungen und einen am Ende tief unglücklichen Nachwuchs. Vor allem: nervenschonend.
Nachteil: Die Kinder kommen eine gute Weile darum herum, die grosse weite Warenwelt kennenzulernen – mit der Erfahrung, nicht alles (gleich) zu kriegen. Sie werden die Erfahrung später machen müssen, mit finanziell grösseren Risiken, wenn es ohne elterliche Begleitung geschieht.
Auf der praktischen Seite bedingt diese Methode einen anderen (verfügbaren) Elternteil oder andere Angehörige oder gar Angestellte, die Kinder hüten.
Und fast vergessen: Manchmal können Entdeckungstouren mit Kind im Laden auch anregend und lustig sein.
1. Die Konsequenten
Sie sind überzeugt, dass man mit klaren Ansagen auf Dauer Erfolg hat. Sprich: Mit der Zeit gehorchen die Kinder, wenn man seltene Ausnahmefälle im Voraus deklariert, in deren Rahmen der Nachwuchs Spielraum zum Entdecken oder gar Auswählen von ein oder zwei Kleinigkeiten kriegt. Ansonsten bleibt man jedoch pickelhart gegenüber Wünschen, Quengeleien oder ganz sicher Erpressungsversuchen («Ich verspreche Ruhe gegen Belohnung»).

Vorteil: Vater oder Mutter bleibt der eigenen Linie treu. Kinder kennen bald den Erziehungsstil und lernen damit umzugehen.

Nachteil: Die Kleinen könnten versucht sein, anderswo beim Einkaufen zu holen, was ihnen mit den Eltern verwehrt bleibt. Der Schaden wird dann vielleicht grösser.
Es braucht sicher ab und zu für einen Einkaufsausflug ein dickes Fell, um Proteste auszuhalten und die harte Linie durchzusetzen respektive verständlich zu machen.
2.a) Die (viel) Versprechenden
Sie sind oft aus praktischen Gründen gezwungen, das oder die Kinder ins Einkaufszentrum mitzunehmen. Es könnte sie schlicht niemand in nützlicher Frist oder Nähe übernehmen. Sicher ist aber, dass sie zuerst einmal ein nicht zu stressiges Einkaufserlebnis schätzen und dass sie dafür durchaus bereit sind, Abstriche bei der konsequenten Erziehungshaltung vorzunehmen. Also wird bei Bedarf laufend versprochen, was das Kind nach einem erträglich verlaufenen Einkauf erhält oder tun darf, noch im Shoppingzentrum oder zu Hause. Manchmal geht schlicht vergessen, es einzulösen. Handkehrum kann das Kind auch erfinden, welches Versprechen «abgegeben» wurde.

Vorteil: Der Verlust an Nerven und Zeit hält sich in der Regel in überschaubarem Rahmen (vorhanden ist er schon); abfällige Kommentare, Gesten und Blicke anderer Shopper sind selten.

Nachteil: Die kleinen Könige merken schnell einmal, dass man sich mit bestimmtem provozierenden Verhalten Vorteile und Geschenke sichern kann. Die Druckmittel werden von ihnen bald eingesetzt – konsequenter als das Erziehungsverhalten der Eltern.
2.b) Die Bestechenden
Diese Methode liesse sich auch als Zuspitzung oder Steigerung der vorangehenden erklären. Tolerieren die Versprechenden, dass Geschenke oder bestimmte Leistungen das Verhalten ihrer Sprösslinge beeinflusst, so setzen die Bestechenden dieses Wissen gar gezielt ein. Mit Goodies und Bestechungen erkaufen sie sich im Voraus Wohlwollen, bestenfalls Ruhe.

Vorteil: Die eigene Erpressbarkeit wird bereits nach Plan und gesteuert eingesetzt. Negative Überraschungen bleiben weitgehend aus.

Nachteil: Nicht nur erkauft man sich ein angenehmeres Einkaufserlebnis, man reicht dem Kind den Schlüssel, um danach in vielen weiteren Situationen – nicht nur beim Einkaufen oder generell Verhalten in der Öffentlichkeit – manipuliert zu werden. Beklagen kann man sich obendrein schlecht: Schliesslich hat man die eigene «Korruptheit» vordemonstriert.
3. Die Stoiker
Sie halten mögliche Spannungen mit den Kindern beim Einkaufen einfach aus, geben selten nach und kaufen kaum je der Ruhe zuliebe Spielzeug oder Naschwerk ein. So können die Kleinen wertvolle Erfahrungen machen. Und hat man die nötige Distanz antrainiert, gibts durchaus auch mal was zu schmunzeln. Der Hauptunterschied zu den Konsequenten ist eine eher passive Haltung, die höchstens ein Mal ohne grosse Phonstärke den Tarif durchgibt.

Vorteil: Kinder lernen früh, dass sie nicht einfach das Gewünschte durch Erpressung erhalten.

Nachteil: Es muss zumeist zusätzliche Zeit für den Einkauf eingeplant werden.
Der eigene Stolz riskiert durch allenfalls genervte Reaktionen Fremder angegriffen zu werden.
Diese Eltern benötigen mindestens bei den ersten Shoppingtouren nach ihrer Methode ein solides Nervenkostüm.
WAS IST IHR ERFOLGSREZEPT?
Sie haben Kinder und getrauen sich mit ihnen ins Einkaufszentrum oder grosse Detaillistenläden? Dann verraten Sie gleich hier im Kommentar eingeloggt oder anonym (als Gast), wie Sie die Herausforderung unbeschadet überstehen.
Zu welcher Gruppe gehören Sie? Oder haben Sie eine eigene Methode?

Autor: Reto Meisser