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23. Juni 2014

Dreckspatzen stoppen

Aktuell steht die schweizweite Einführung von Bussen fürs Liegenlassen von Abfall zur Debatte. Ein probates Mittel oder mit Kanonen auf Spatzen geschossen? Äussern Sie Ihre Meinung in der Umfrage rechts.

Trauriges Bild: Nicht selten trifft man öffentliche Grillplätze in einem solchen Zustand an (Bild: Lore Häuser/Einsiedler Anzeiger).

Mit 100 Franken gebüsst wird im Kanton Zug künftig, wer beim Liegenlassen von Abfall erwischt wird. Dies hat der Zuger Kantonsrat vor anderthalb Wochen beschlossen. Andere Kantone wie Bern, Solothurn, St. Gallen und Thurgau kennen solche Bussen schon länger. Und schon bald könnten Litteringsünder schweizweit zur Kasse gebeten werden: Auf Initiative von Jacques Bourgeois, Direktor des Bauernverbands, arbeitet Bundesbern an einem entsprechenden Gesetz.

Doch sind Bussen überhaupt ein geeignetes Mittel im Kampf gegen Littering? «Nein», sagt Luca Geisseler (31), Mitautor der Studie «Littering in der Schweiz», welche die Zürcher Beratungsfirma FehrAdvice & Partners Anfang Jahr veröffentlicht hat. Bussen scheitern an der Durchsetzung. «Denn es ist schwierig, Menschen beim Liegenlassen von Abfall zu beobachten, ganz abgesehen vom riesigen personellen Aufwand, der dafür nötig wäre», sagt Luca Geisseler. Er empfiehlt ein anderes Vorgehen. «Grundsätzlich ist allen Menschen in der Schweiz klar: Littering gehört sich nicht.» Diese Grundhaltung sei, wenn auch etwas weniger stark, ebenfalls bei den Jungen verankert.

«Dieser sozialen Norm muss man in gewissen Problemzonen wie in Parks, an Open Airs, bei Grillplätzen oder am Zürifäscht lediglich einen Schubser geben. Mit Remindern wie aufgemalten Fussspuren zum Abfallbehälter, bemalten Abfallkübeln – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.»

Doch wie erreicht man die Unbelehrbaren, die Flaschen und Take-away-Verpackungen selbst dann liegen lassen, wenn in ein, zwei Meter Entfernung ein Eimer steht? Luca Geisseler: «Mit positiven Vorbildern, möglichst aus dem engeren Bekanntenkreis. Wenn ein Kollege seine Bierdose nicht richtig entsorgt, wird er von seinem Freund darauf aufmerksam gemacht. Das wirkt besser, als wenn ein Xherdan Shaqiri in einem Werbespot das Gleiche anspricht. Je näher einem die Person steht, umso wirksamer das Feedback.»

Autor: Daniel Schifferle