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09. Dezember 2013

Doping für die Arbeit

In nicht allzu ferner Zukunft könnte es normal sein, bei der Arbeit mit leistungssteigernden Medikamenten nachzuhelfen. Oder tun Sie es – vielleicht in harmloser Form – bereits? Stimmen Sie ab (rechts).

Steigt der Einsatz leistungssteigernder Substanzen?
Der Berg an Arbeit wird immer höher: Steigt damit auch der Einsatz leistungssteigernder Substanzen. (Bild Getty Images)

Genügend Schlaf und ausreichend Bewegung an der frischen Luft sind die besten Rezepte für eine optimale Leistungsfähigkeit in Studium und Beruf. Zwei neue Studien zeigen nun aber, dass auch Medikamente dazu eingenommen werden. Laut einer Umfrage der Suva hat ein Prozent der Befragten Arbeitnehmer mindestens ein Mal verschreibungspflichtige Medikamente oder Drogen zur Leistungssteigerung eingenommen. Das ist nur eine Minderheit im Vergleich mit der Situation an den Universitäten. In einer neuen Studie der Unis Zürich und Basel sagten fast 14 Prozent der befragten Studierenden, leistungssteigernde Substanzen eingesetzt zu haben. Laut Studienleiter Michael Schaub (39) lässt der hohe Wert befürchten, dass in Zukunft auch in der Arbeitswelt vermehrt mit Medikamenten und Drogen nachgeholfen wird. «Denn die heutigen Studenten sind die Chefs und Vorbilder von morgen», sagt Schaub.

Ganz so weit ist es allerdings noch nicht. «Die im Moment verfügbaren Substanzen machen höchstens wach. Zu einem rascheren Denken oder einer verbesserten Merkfähigkeit, die in der heutigen Überfülle an Informationen und Möglichkeiten so gefragt sind, verhelfen sie nicht.»
Doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis Medikamente zur Verfügung stehen, die genau dies können. Die Pharmaindustrie arbeitet hart daran. «Denn das ist ein äusserst lukrativer Markt», sagt Michael Schaub.

Doch man dürfe die Antwort auf den Leistungsdruck nicht einfach an Medikamente abtreten. Michael Schaub: «Unternehmen werden in der Zukunft vermehrt gefordert sein, ihren Mitarbeitenden ein leistungsförderndes, wertschätzendes Klima zu bieten, das ohne solche Mittel auskommt.» Dabei werde sich aber auch die Frage stellen, ob ein Unternehmen sich das im zunehmend härteren Kokurrenzkampf überhaupt leisten will und kann.