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20. Januar 2014

Digitales Erbrecht

Nach dem Tod lebt das Facebook-Profil ungeniert weiter. Und was passiert mit gekauften Musik-Downloads?

Illustration zur digitalen Hinterlassenschaft.
Unverhofftes Erbe: Die digitale Hinterlassenschaft. (Illustration: Alex Macartney)

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Nur noch wenige Menschen legen wichtige Dokumente in einen Tresor. Das meiste liegt entweder auf der Festplatte oder einem Internetspeicher. Wer sich ausserdem bei Twitter und Facebook registriert hat, hinterlässt ein reiches digitales Erbe. Wenn die Passwörter nirgends notiert oder bei einer Vertrauensperson hinterlegt werden, leben die digitalen Profile munter weiter.

Niemand von den Hinterbliebenen hat die Möglichkeit, die Konzerne zur Herausgabe der Zugangsdaten zu zwingen. Facebook versetzt das Profil nach dem Einreichen einer Sterbeurkunde höchstens in den Gedenkstatus, aber das Passwort fürs Löschen des Profils rückt der Dienst nicht heraus.

Google bietet seit Kurzem über den Kontoinaktivität-Manager die Möglichkeit zu bestimmen, was mit den Daten passiert, wenn das Konto über längere Zeit nicht angerührt wird. Unter anderem lassen sich dort die Dauer der Inaktivität festlegen oder zugriffsberechtigte Personen definieren.

Fast noch wichtiger ist der Umgang mit gekaufter Musik oder kostenpflichtigen Apps. Wenn es nach Apple geht, ist deren Vererbung unmöglich. Der Konzern beharrt darauf, dass iTunes-Kunden die Produkte nur als Lizenz kaufen und der Besitz deshalb nicht an Dritte übertragbar ist. Die rechtliche Situation, ob jemand, und wenn ja, wer das digitale Erbe eines Menschen erhält, ist hierzulande kaum geregelt. Und das wird sich leider auch nicht so schnell ändern, denn die Politik interessiert sich kaum für das Thema.

Autor: Reto Vogt