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09. Dezember 2013

Digitale Doktorspiele

Beim Sexting sind nicht die Versender die Täter, sondern die Empfänger
Beim Sexting sind nicht die Versender die Täter, sondern die Empfänger (Bild: zVg).

Jugendliche verschicken mit dem Smartphone intime Bilder von sich. Sexting heisst der Trend, zusammengesetzt aus Sexualität und Texting. Meistens passiert nichts, aber in Einzelfällen geraten die Fotos in falsche Hände, und es kommt zu Cybermobbing oder Erpressung. Deshalb warnt eine Kampagne davor, Nacktfotos von sich zu verschicken. Das ist lobenswert, schliesslich gibt es sehr gute Gründe, darauf zu verzichten. Zum Beispiel, dass sich digital verschickte Dateien in beliebigem Masse vervielfältigen lassen und absichtlich oder unabsichtlich weiterverschickt werden können. Allerdings verpasst es die Aktion, von der weitverbreiteten App «Snapchat» abzuraten. Sie dient zur schnellen und anonymen Übertragung von Fotos, die sich nach wenigen Sekunden automatisch löschen. Allerdings gaukelt das Programm Sicherheit nur vor, da ein Screenshot nicht unterbunden wird. Zudem gehört es zum Erwachsenwerden dazu, sich mit dem eigenen Körper auseinanderzusetzen und das mit anderen zu teilen. Der Unterschied zu Zeiten ohne Internet und Smartphones ist nur, dass sich die Doktorspiele vom Kinderzimmer ins Internet verlagert haben – weil man sich der Kontrolle der Eltern entzieht, weil es anonymer und schneller geht und die Schamgrenze tiefer liegt. Deshalb sollte sich die Kampagne nicht nur an die Urheber, sondern auch an die Empfänger richten und ihnen verklickern: «Es ist uncool, das Vertrauen anderer Menschen zu missbrauchen. Zeige solche Fotos niemandem und lösche sie!»

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Autor: Reto Vogt