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28. Dezember 2015

Die zehn mühsamsten Autofahrertypen

Trödler, Blender, Drängler – wir begegnen ihnen täglich im Strassenverkehr. Die zehn mühsamsten Autofahrertypen auf einen Blick.

1. Die Ungern-Blinker: Beim Spurwechsel, Rechtsabbiegen oder auch beim Abfahren von der ­Autobahn blinken Zuspät-­Blinker oft – verbotenerweise – sowieso nicht. Falls doch, dann fast immer zu spät. Doch Blinken ist für andere vor allem als Ankündigung des ­Manövers, nicht als dessen Krönung wichtig. Wer erst beim ­Manöver selbst – ob ­Abbiegen, Kreiselverlassen oder Spurwechsel – blinkt, der kann es genauso gut auch lassen.

2. Die Einfahrt-Trödler: Gemütlich wechseln sie mit weniger als Landstrassentempo auf die Autobahn. Aber Beschleunigungsstreifen heissen eben gerade so, weil man hier kräftig Gas geben soll, bevor (!) man idealerweise im Tempo des Fliessverkehrs auf die Autobahn einschert. Ein «Recht auf Lücke» gibt es nicht. Denn für den Verkehr auf der Autobahn gilt: Platz schaffen sollte man Einscherenden nur, wenn das keine brüsken Manöver braucht.

3. Die Prinzip-Schleicher: Sie fahren ihr Wohlfühltempo und wähnen sich im Recht. Sind sie auch – aber ebenso in der Pflicht. Es ist völlig in Ordnung, langsamer als erlaubt zu fahren. Aber ständig Langsame haben Schnellen auch ein Überholen zu ermöglichen, zum Beispiel durch Fahrt am Rand, Zwischenstopp oder indem sie an freien Stellen Überholgelegenheit bieten statt Gas zu geben. Sonst sind gefährliche Manöver vorprogrammiert.

4. Die Mittelspur-Schläfer: Auf zweispurigen Auto­bahnen fahren sie häufig links, auf dreispurigen ­kleben sie beständig auf der Mittelspur – Argument: «Rechts ist für LKWs, und ich muss in fünf Kilometern eh in die Mitte.» Dieser Fahrstil wirkt auf den ­Verkehrsfluss wie ein Pfropf und provoziert das Rechtsüberholen – und kann auch gebüsst werden. Unabhängig vom Tempo gilt: Ist die rechte Spur zu gut hundert Metern frei, dann bitte ab nach rechts.

5. Die Amok-Lichthuper: Sie grüssen mit der Lichthupe die Nachbarn, feuern sie auch gerne jenen hinterher, die mal einen Fehler machen oder auch nur völlig korrekt überholt haben. Wozu eigentlich? Denn alle aufgezählten Verhaltensweisen sind nicht korrekt: Die Lichthupe ist ein Warnsignal. Gelichthupt soll und darf werden, wenn es die Sicherheit fördert, also etwa vor dem Überholen warnen, ans Lichteinschalten erinnern oder auf Vortritt verzichten.

6. Die Nebellicht-Blender: Beim ersten Regentropfen oder Dunstschleier schalten sie Nebellampen ein – und für den Rest der Fahrt nicht mehr aus. Wissen die, dass Nebelscheinwerfer tagsüber nichts bringen und in der Kolonne gar blenden? Egal. Zur Erinnerung: Erlaubt sind beide erst bei «erheblicher» Sichtbehinderung (Nebel, Schnee, Regen). Eine verbindliche Sichtweite gibt es nicht – ab etwa 100 Meter Sicht sind Nebellampen und -scheinwerfer Unsinn.

7. Die Rotlicht-Kriecher: Wir werden sie niemals ­begreifen: Am Rotlicht stoppen sie mit fünf ­Meter Abstand zum Vordermann, um während der Rotphase ganz langsam eine Wagenlänge nach vorne zu schleichen. Im Stau lassen sie die Lücke vor sich auf 15 Meter anwachsen, ehe sie weiterfahren. Macht doch nichts? Macht eben doch etwas: Der verschenkte Verkehrsraum fehlt hinter ihnen und verlängert so den Stau nach hinten.

8. Die Dauer-Drängler: Sie hängen selbst dann an der Stossstange, wenn sie weder schneller fahren wollen noch können als das Fahrzeug vor ihnen. Unheilsam wirkt sich dabei der Boom der SUV aus: Wer höher sitzt und über die «normalen» Autos guckt, fährt oft unbewusst dichter auf. Tipp: Öfters mal an die «Zwei-Sekunden-Abstand»-Regel ­denken – und daran, dass auch kein Trödler schneller wird, nur weil man einen Auffahr­unfall riskiert.

9. Die Kreisel-Blocher: Sie haben nicht begriffen, dass der Kreisverkehr auf dem Prinzip der gegen­sei­tigen Rücksichtnahme ­basiert. Klar nerven auch Einscherende, die zum Abbremsen zwingen – zumal sie laut den Verkehrsregeln warten müssten. Aber der Kreisel ist umgekehrt keine Rennbahn: Einfahrende ­haben das Tempo zu verringern und Rücksicht zu nehmen. Grundsätzlich ist im Kreisel mehr Fehlertoleranz unter den Verkehrsteilnehmern erwünscht.

10. Die Lücken-Choleriker: Wehe, man will vor ihnen einscheren: Selbst, wenn man alles korrekt macht – also etwa im Stau auf der endenden Spur bis vorne fährt, um dort im Reissverschluss einzufädeln, oder sich offensichtlich verfahren hat – sie machen ­zornig jede Lücke zu. Zwar haben wir auf die kein Recht. Aber die «Strafe» des Lücken-Cholerikers trifft weniger den blockierten Einscherer als vielmehr den Verkehrsfluss, der nun noch mehr stockt.

Autor: Timothy Pfannkuchen

Illustrationen: Illumueller.ch